• vom 18.04.2018, 18:05 Uhr

Politik

Update: 24.04.2018, 15:01 Uhr

Future Challenge

Ist analog das neue Smart?




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Von Cathren Landsgesell

  • Die Podiumsdiskussion der "Wiener Zeitung" am 16. April im NHM zeichnete die Konturen einer smarten Zukunft nach.

Christian Köberl, Direktor des NHM, und Isabella Mader, Excellence Institute.

Christian Köberl, Direktor des NHM, und Isabella Mader, Excellence Institute. Christian Köberl, Direktor des NHM, und Isabella Mader, Excellence Institute.

Wien. Der Hausherr, Christian Köberl, Direktor des Naturhistorischen Museums in Wien (NHM), spannte in seiner Keynote einen großen Bogen. 30 Millionen Objekte beherberge das Naturhistorische Museum. Ob man die alle digitalisieren solle? Eine rhetorische Frage. Die Sammlung des Naturhistorischen Museums geht auf die Mitte des 18. Jahrhunderts zurück. Für die gegenwärtige wie zukünftige Forschung ist es unabdingbar, dass diese Objekte im Original erhalten bleiben.

"Kopien haben keinen Erkenntniswert." Oder noch schlimmer: "Wir werden viel Wissen verlieren, wenn wir das, was wir jetzt digitalisieren, nicht ordentlich konservieren, sodass dieses Wissen auch in Zukunft noch verfügbar ist. Der Stand der Technik ändert sich schnell."

So kam der Diskussion zum Thema "Smart Living" am vergangenen Montag im Naturhistorischen Museum gleich zu Beginn ein wenig ihr Fokus auf eine unbedingt als Fortschritt verstandene Digitalisierung abhanden. Allerdings machte Köberl auch deutlich, auf welche Weise digitale Geräte gut eingesetzt wären: als Ergänzung zur sinnlichen Erfahrung. "Überall dort, wo es um zusätzliche Informationen für die Besucher geht."

Eva Stanzl, "Wiener Zeitung", und Christian Panzer, Wien Energie.

Eva Stanzl, "Wiener Zeitung", und Christian Panzer, Wien Energie. Eva Stanzl, "Wiener Zeitung", und Christian Panzer, Wien Energie.

"Wir hinken hinterher"

"Wenn man alle zehn Minuten unterbrochen wird, verliert man im Laufe eines achtstündigen Arbeitstages zwei Stunden", erklärte Isabella Mader, und man konnte spüren, wie sich viele im Publikum angesprochen fühlten. Isabella Mader ist die Vorsitzende des Excellence Institutes. Die Geschichte mit den zehnminütigen Unterbrechungen hätten wir uns selbst mithilfe unserer Smartphones beigebracht. Selbst wenn wir abschalten, warteten wir unwillkürlich alle zehn Minuten auf ein "Bing". Doch Mader ging es nicht um unsere Aufmerksamkeitsspanne. Sie wollte darauf hinweisen, dass sich Gesellschaften ganz anders organisieren müssen, wenn sie die smarten Potenziale der Digitalisierung realisieren wollen. Es geht um tief greifende Veränderungen: neue Arbeitszeiten, neue Einkommensmodelle, neue soziale Absicherung. Aber: "Wir hinken noch jetzt legistisch und sozial der Disruption der ersten Industrialisierung hinterher."

Mathias Mitteregger, TU Wien.

Mathias Mitteregger, TU Wien.© Simon Rainsborough Mathias Mitteregger, TU Wien.© Simon Rainsborough

Die Veranstaltung "Smart Living" ist Teil der "Future Challenge Leben 2030", ein Wettbewerb der "Wiener Zeitung" für Schüler der achten Schulstufe, bei dem Videos zu einem bestimmten Thema zum Wettbewerb eingereicht werden. In den Videos zeigen die Schüler in diesem Jahr ihre Vorstellungen vom Leben in zwölf Jahren. 61 Schülergruppen aus ganz Österreich haben zum Wettbewerb eingereicht. Für die Videos kann auf YouTube noch bis zum 30. April gevotet werden. In den Videos geht es um die Herausforderungen der Zukunft: Energie und Klimawandel, Artificial Intelligence.

"Tätigkeiten brechen weg"

Wie die Videos zeigen, scheinen die Jugendlichen, ähnliche Hoffnungen mit der "smarten" Zukunft zu verbinden wie Christian Panzer. Er ist der Leiter der Unternehmensentwicklung von Wien Energie, dem Partner der Wiener Zeitung bei der Future Challenge. Bei der Podiumsdiskussion machte er seinen pragmatischen Zugang deutlich: mehr Solarenergie, vernetzte Produktion, absolute Effizienz und selbstbestimmte Kunden. "Die Bedürfnisse ändern sich nicht, aber wir können sie viel smarter erfüllen." Panzer suchte immer wieder den Ausgleich: "Nicht ‚die‘ Arbeit bricht weg, sondern einzelne Tätigkeiten." Und: "Die Technologien bieten Chancen, mitzugestalten."

Mathias Mitteregger, Forscher an der TU Wien zum Thema selbstfahrende Autos, blieb ebenfalls vorsichtig und versuchte dem Dualismus - hier der Mensch, da die Technik - zu entgehen: "Wir entwickeln uns evolutionär mit der Technik. Sie ist Teil von uns." Der Raum der Stadt wird sich durch autonome Fahrzeuge verändern - ob zum Besseren oder Schlechteren, das sei noch offen. Mitteregger plädierte dafür, die Gegenwart mehr wertzuschätzen: "Mir kommt es so vor, als würden wir uns mit Blick auf die Zukunft von der Gegenwart abwenden."






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Dokument erstellt am 2018-04-18 18:09:23
Letzte Änderung am 2018-04-24 15:01:53



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