• vom 19.04.2018, 16:58 Uhr

Politik

Update: 24.04.2018, 16:42 Uhr

Salzburg-Wahl

Endlich unangefochten




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Dass Haslauer aber auch anders als staatstragend und ruhig kann, bewies er nach dem Ausbruch des Salzburger Finanzskandals Ende 2012. Wenige Tage nach Auffliegen des Skandals brach er Neuwahlen vom Zaun. Im Wahlkampf ließ der oft so zurückhaltend agierende Politiker mit parteitaktischem Kalkül und Populismus aufhorchen. Er schimpfte den langjährigen Koalitionspartner SPÖ öffentlich eine "Bande" und schob der "Burgstaller-SPÖ" die alleinige Verantwortung am Skandal zu.

Die Strategie ging auf, als einziges Regierungsmitglied überlebte Haslauer den Skandal politisch, heute spricht kaum mehr jemand davon. Nach der Wahl packte der ÖVP-Chef die rauen Töne schnell wieder ein und erfand ein politisches Verkaufsargument, das einige Jahre später auch Sebastian Kurz auf Bundesebene übernahm: den neuen Stil.

Keine Nebenvereinbarungen, kein Streit, sachorientiert, respektvoll sollten die Regierungsmitglieder miteinander umgehen, propagierte Haslauer 2013. Während die Regierung Kurz damit schon nach wenigen Monaten zu kämpfen hat, hielt Haslauers Regierung das tatsächlich fünf Jahre lang weitgehend durch. Das mag freilich weniger an den handelnden Personen als an der Beschaulichkeit der Salzburger Landespolitik liegen, die für eine derartige Unaufgeregtheit wesentlich besser geeignet ist als das bundespolitische Parkett.

Das politische Denken erlernte Haslauer von klein auf, war doch sein Vater Wilfried Haslauer senior von 1977 bis 1989 selbst Landeshauptmann von Salzburg. In die Politik ging Haslauer junior aber erst viele Jahre nach dem Rückzug seines Vaters. Zunächst gründete er eine eigene Anwaltskanzlei und sorgte in dieser Rolle für Aufsehen. Er verteidigte etwa einen Beschuldigten nach der Brandkatastrophe von Kaprun und vertrat eine Gruppe, die das ORF-Radiomonopol zu Fall bringen wollte, vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg.

Kurz nach seinem Einstieg in die Politik war Haslauer auch schon Salzburger ÖVP-Chef. Wenige Wochen vor dem Wahltermin 2004 wurde er quasi über Nacht als designierter Nachfolger des damaligen Landeshauptmanns Franz Schausberger präsentiert. Der Plan war gewesen, diesen erst nach einer halben Legislaturperiode zu beerben. Doch nach dem Wahlsieg der SPÖ erfolgte die beschleunigte Übergabe.

Der Wirtschaftsbündler Haslauer einte die Partei und beendete die oft öffentlich geführten Bündekämpfe. Bis er die Partei zurück auf Platz eins führte, vergingen aber neun Jahre. Doch 2013 war Haslauer nach einem Minus von 7,5 Prozentpunkten und dem Finanzskandal kein strahlender Sieger.

Feiern durfte Haslauer dann im vergangenen Dezember, als sein Trauzeuge Harald Preuner die Bürgermeisterwahl in Salzburg gewann und zweiter ÖVP-Bürgermeister der Nachkriegszeit wurde. Nun sitzen die beiden Freunde Haslauer und Preuner in Salzburg an den Schalthebeln. Seinen ersten eigenen strahlenden Wahlsieg kann Haslauer für Sonntag erwarten.

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Dokument erstellt am 2018-04-19 17:03:22
Letzte Änderung am 2018-04-24 16:42:29



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