• vom 28.04.2018, 08:00 Uhr

Politik

Update: 28.04.2018, 10:06 Uhr

Politische Kultur

Kann Politik nicht ohne Feindbilder?




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Von Walter Hämmerle

  • SPÖ-Vorsitzender Christian Kern über den 1. Mai, seinen Freund Faymann, die FPÖ und Fehler in der Medienpolitik.

"In der Medienpolitik haben auch wir von der SPÖ genug angestellt," sagt Christiam Kern im Interview. - © WZ/Moritz Ziegler

"In der Medienpolitik haben auch wir von der SPÖ genug angestellt," sagt Christiam Kern im Interview. © WZ/Moritz Ziegler

Wien. Am Dienstag feiert die Sozialdemokratie ihr Hochamt: Der Aufmarsch zum 1. Mai, dem Tag der Arbeit, dient der SPÖ seit jeher auch zur Selbstvergewisserung und Selbstverortung. Seit vier Monaten ist die SPÖ im Bund in Opposition und in Wien, dem eigentlichen Machtzentrum, steht ein Neubeginn bevor. Keine leichte Zeit für Christian Kern, den Bundesvorsitzenden der SPÖ.

"Wiener Zeitung": Am Freitag trat das Alkoholverbot am Wiener Praterstern in Kraft. Das ist ein symbolträchtiger Bruch mit der bisherigen Linie der Wiener SPÖ und hat auch zu Turbulenzen geführt. Wie stehen Sie zum Alkoholverbot?

Christian Kern: Ich kenne die Situation am Praterstern gut, da ich ja als ÖBB-Chef dort auch der Hausherr war. Es gab immer Aufs und Abs, aber keine Maßnahme hat zu einer nachhaltigen Besserung geführt. Also müssen wir neue Wege ausprobieren, deshalb ist das Alkoholverbot für mich ein akzeptabler Schritt, um zu sehen, ob sich die Dinge vor Ort verbessern. Wenn es ein Problem gibt, dann muss man dieses lösen. Das geschieht jetzt.

Video: Christian Kern über das Alkoholverbot am Praterstern in Wien

Dieser Pragmatismus fällt aber nicht allen in der SPÖ leicht, denn nicht nur der Koalitionspartner, die Wiener Grünen, sondern auch etliche aus dem linken Lager der SPÖ fühlen sich vor den Kopf gestoßen.

Ich sehe das ganz anders. Der Aufruhr, den Sie beschreiben, ist nicht bis zu mir vorgedrungen. Das Alkoholverbot ist der richtige Schritt in der jetzigen Situation am Praterstern. Und man sagt nicht: Alkoholverbot und aus. Keiner in der SPÖ will Menschen in Not die Hilfe entziehen, sondern wir treiben einen riesigen Aufwand, um die sozialen Probleme in den Griff zu bekommen. Das wird auch so bleiben. Deshalb sehe ich auch keinen Tabubruch.

Am 1. Mai stehen Sie mit Michael Ludwig gemeinsam auf der Bühne. Was trauen Sie ihm für Wien zu?

Er ist die richtige Wahl, wir haben gute Chancen, die Stadt zu verteidigen. Was wir jetzt erleben, ist ein Generalangriff auf Wien. Egal, worum es geht, die Bundesregierung setzt alles daran, unsere Hauptstadt schlechtzureden. Aber diese Strategie wird nicht funktionieren: Jede Großstadt hat ihre Probleme, die geht Ludwig auch entschlossen an, aber Wien ist eine der lebenswertesten Städte und wächst auch alle zehn Jahre im Ausmaß der Stadt Linz.

Vor zwei Jahren protestierte die Parteilinke gegen den damaligen Parteichef und Kanzler Werner Faymann. Vergangenes Jahr waren Sie der Hoffnungsträger. Jetzt ist die SPÖ im Bund in Opposition und in Wien auf Selbstfindung.

Ich erlebe die Stimmung bei uns als ausgezeichnet. Die Veranstaltungen sind weit besser besucht als vermutet, seit Amtsantritt der Regierung haben wir 2400 neue Mitglieder gewonnen. Viele wissen, dass jetzt die Zeit ist, sich wieder zu engagieren. Deshalb gehe ich davon aus, dass es, so wie im Vorjahr, wieder eine richtige Feier wird. Und weil es der letzte 1. Mai mit Michael Häupl sein wird, rechne ich auch mit großen Emotionen.

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Video: Christian Kern über das Alkoholverbot am Praterstern in Wien






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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-04-27 18:00:28
Letzte Änderung am 2018-04-28 10:06:58