• vom 10.05.2018, 16:50 Uhr

Politik

Update: 10.05.2018, 17:25 Uhr

Pflegelehre

Soziale Ader - aber zu jung, um zu pflegen




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Von Rosa Eder-Kornfeld

  • Beim Thema Pflegelehre scheiden sich die Geister.



Wien. Menschen, die in Pflegeberufen arbeiten, eint idealerweise eine ausgeprägte soziale Ader, gepaart mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen. Psychische Belastbarkeit ist ebenfalls gefordert, denn der Umgang mit kranken oder gar sterbenden Menschen kann ziemlich an die Nieren gehen. Aus diesem Grund ist in Österreich der berufliche Einstieg in die Pflege in Form der Pflegeassistenz (vormals Pflegehilfe) erst ab dem 17. Lebensjahr möglich.

Doch warum bis 17 warten? Der ehemalige Lehrlingsbeauftragte der Regierung, Egon Blum, tritt schon seit Jahren vehement für die Schaffung einer Pflegelehre für Jugendliche ab 15 Jahren ein. Als Vorbild preist Blum die in der Schweiz 2003 eingeführte Lehre zum Fachmann/zur Fachfrau Gesundheit ("FaGe").


Schützenhilfe bekam der Vorarlberger dieser Tage vom Team Kärnten. Dessen Parteiobmann Gerhard Köfer verwies auf einen drohenden Personalmangel im Gesundheits- und Sozialbereich in Kärnten und kritisiert, dass genau im Alter zwischen 15 und 17 Jahren, wenn die meisten ihre Berufsentscheidung treffen, keine Pflegelehre für Jugendliche mit sozialer Ader möglich sei.

Ursula Frohner, Präsidentin des Österreichischen Gesundheits- und Krankenpflegeverbandes (ÖGKV), sieht das anders. Mit 15 Jahren würden Jugendliche gerade im Abschluss der Pubertät stecken. Sie in einen Beruf "hineinzustopfen", der so hohe Anforderungen stelle wie die Krankenpflege, lehne sie ab. Und: "Pflege ist ein Gesundheitsberuf und kein Gewerbe."

Frohner verweist auf die Novelle des Gesundheits- und Krankenpflegegesetzes (GuKG) aus dem Jahr 2016, mit der österreichweit eine neue dreistufige Ausbildung beschlossen wurde. Die Reform wird nun stufenweise bis 2024 in den Bundesländern umgesetzt.

Auslaufmodell Diplomkrankenschwester
Die diplomierte Krankenschwester ist ein Auslaufmodell. Neben der bereits erwähnten Pflegeassistenz (einjährige Ausbildung) gibt es - neu seit 2016 - die Pflegefachassistenz (zwei Jahre Ausbildung, Mindestalter: 18). Pflegeassistenten können sich auch in einem Jahr zum Pflegefachassistenten, der mehr Kompetenzen und Aufgaben hat, höherqualifizieren. Dafür gibt es weiterhin die Krankenpflegeschulen. Auf der letzten und obersten Stufe steht der "Gehobene Dienst für Gesundheits- und Krankenpflege", der ab 2024 die Diplomausbildung endgültig ersetzt. Es handelt sich dabei um ein dreijähriges Bachelorstudium an einer Fachhochschule. Entsprechende Lehrgänge gibt es bereits.

"Wir brauchen nicht noch eine zusätzliche Ausbildung, das schafft nur Verwirrung", sagt Frohner, die auf 34 Jahre praktische Berufserfahrung als Diplomkrankenschwester zurückblickt, zum Thema Pflegelehre. Zum Vorbild Schweiz ist sie skeptisch: "Wir wissen aus der Schweiz, dass die Verweildauer in der Pflege keine lange ist." Der Beruf Fachfrau/Fachmann Gesundheit (FaGe) wurde 2003 in der Schweiz wegen des hohen Personalbedarfs im Gesundheitswesen eingeführt. Rund 4000 junge Frauen und Männer haben die Ausbildung seither abgeschlossen, jedoch ist laut einer Studie nur ein Viertel von ihnen in dem Beruf geblieben.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-05-10 16:54:54
Letzte Änderung am 2018-05-10 17:25:24



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