• vom 10.05.2018, 17:08 Uhr

Politik

Update: 10.05.2018, 17:22 Uhr

Beate Meinl-Reisinger

Auf Hyperaktivität folgt eine pinke "Rampensau"




  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (36)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • Die Neos-Frontfrau Beate Meinl-Reisinger hat eine schwarze Vergangenheit.

Neos-Gründungsmitglied Beate Meinl-Reisinger mag aktionistische Bühnenauftritte. - © apa/Michael Gruber

Neos-Gründungsmitglied Beate Meinl-Reisinger mag aktionistische Bühnenauftritte. © apa/Michael Gruber

Wien. (jm) Beate Meinl-Reisinger soll also künftig die Neos anführen und ihnen zu weiterem Wachstum verhelfen. Die Wahl ist wenig überraschend, gilt doch die 40-jährige Wienerin neben Matthias Strolz als das prominenteste Gründungsmitglied der pinken Liberalen. Dass sie bei Wahlen reüssieren kann, hat sie obendrein bewiesen. Gerade als sich nach einer Reihe von gescheiterten Antritten der Neos bei Landtagswahlen das Gerede vom Flügelheben etwas abgenutzt hatte und es für die Neos ums nackte Überleben ging, schaffte Meinl-Reisinger 2015 mit dem Einzug in den Wiener Landtag den dringend benötigten Zwischenerfolg vor der vergangenen Nationalratswahl.

Meinl-Reisinger ist in ihrem Auftreten zwar nicht so hyperaktiv veranlagt wie Strolz, aber auf den Mund gefallen ist nicht. Laut, resch, direkt und an emotionalen Stellen ein bisschen wienerisch feuert sie ihre Reden in Richtung Publikum. Da kann auch von "Eiern" die Rede sein, die die Eiserne Lady Margaret Thatcher in ihrem Umgang mit Männern gezeigt hätte. Nicht umsonst gilt Meinl-Reisinger parteiintern als "Rampensau". "Unser Antrieb ist Wut", sagte die Neos-Frontfrau einmal, die einst Schauspielerin werden wollte. In ihrem Videoblog "Ehrlich gesagt" kritisiert sie zudem in aller Deutlichkeit das, was ihr politisch gerade missfällt.


Wiener "Giftboden"
Begonnen hat die Juristin ihre politische Karriere bei der ÖVP. Nach einem Trainee-Programm in der Wirtschaftskammer arbeitete sie 2005 als Assistentin für den EU-Abgeordneten Othmar Karas in Brüssel. Sieben Jahre später kehrt sie ihrer damaligen politischen Heimat frustriert den Rücken zu. Damit war sie nicht alleine. Die "Law and Order"-Rhetorik der Wiener ÖVP im Wahlkampf 2010 beim Thema Sicherheit (Migrantenpflichten und Militärpolizei) und die "Geilomobil"-Auftritte des damaligen JVP-Chefs Sebastian Kurz gingen Meinl-Reisinger gegen den Strich. Als sie laut sagte, dass deshalb niemand aus ihrem Freundeskreis die Hauptstadtschwarzen wähle, hieß es dort, dass sie nur liberale Freunde habe. Meinl-Reisinger stellte sich eine urbanere ÖVP in Wien mit liberalem Antlitz vor und eine schwarz-grüne Landesregierung. Ein arger "Bruch" war für sie, als Ernst Strasser Othmar Karas als Listenführer bei den Europawahlen "vor die Nase gesetzt wurde."

Zunächst wollte Meinl-Reisinger die ÖVP aber nicht aufgeben und die Landespartei von innen heraus verändern. Das war damals kein leichtes Unterfangen. Viele ehemalige Parteifunktionäre bezeichnen die Hauptstadtschwarzen von damals als "Giftboden", weil die ÖVP-Strukturen der "alten Herrn" unreformierbar schienen. Hier kreuzen sich aber die Wege von Meinl-Reisinger und Strolz. Für den Reformprozess holte sie just den oft hyperaktiv wirkenden Berater aus Vorarlberg nach Wien, der damals, selbst aus dem Stall der ÖVP und frustriert von den Parteistrukturen, bereits mit dem Gedanken spielte, eine neue Partei zu gründen.

"Schnauze voll gehabt"
Strolz’ jetzige Nachfolgerin Meinl-Reisinger war auch dessen erste Personalwahl für die wenig später gegründeten Neos. "Ich habe die Schnauze voll gehabt", sagte Meinl-Reisinger damals. Die Unreformierbarkeit der ÖVP und der Enthusiasmus von Strolz lockten die zweifache Mutter 2012 zu den Neos, für die sie im Jahr darauf bei der Nationalratswahl antrat und auf Anhieb den Einzug ins Parlament schaffte.

Vom Nationalrat wechselte sie nach zwei Jahren in den Wiener Gemeinderat, den sie trotz der erfolgreichen Nationalratswahl 2017 nicht verlassen wollte. Sie verzichtete mit dem hehren Ziel einer Sechs-Prozent Partei, im roten Wien vielleicht einmal Wiener Bürgermeisterin zu werden.

Davon hat sich Meinl-Reisinger mit ihrer Kandidatur für den Parteivorsitz vorerst verabschiedet. Ähnlich wie vor der Wien-Wahl steht die Neos-Frontfrau vor einer schwierigen Aufgabe. Mit Strolz haben die Neos ihre Marke verloren. Zu einer solchen muss Meinl-Reisinger erst werden.




1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-05-10 17:12:44
Letzte Änderung am 2018-05-10 17:22:54



Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Warum der Gender-Pay-Gap kein Bullshit ist
  2. Boden mit Blei verseucht
  3. Zwei Kaiser, ein Zwist
  4. Was bei der Kassenfusion tabu ist
  5. Kickl sieht sich entlastet
Meistkommentiert
  1. Kurz setzt Seenotretter und Schlepper faktisch gleich
  2. Regierung bleibt dabei: Keine Volksabstimmung zum Rauchverbot
  3. Maurer-Urteil beschäftigt die Politik
  4. Lehrer unter Generalverdacht
  5. Ehe und Partnerschaft für alle fix

Die steirische Molekularbiologin und Neo-Nationalratsabgeordnete Juliane Bogner-Strauß übernimmt das Ressort Frauen, Familie und Jugend.



Werbung