• vom 08.06.2018, 20:00 Uhr

Politik

Update: 09.06.2018, 12:19 Uhr

Landwirtschaft

Weniger Bauern, größere Höfe




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Von Petra Tempfer

  • Die Anzahl der Bauernhöfe sinkt, die Größe wächst. Allein die Biobauern-Sparte floriert.

 Alles ist genau geregelt, so auch das Weiden der Kühe: - © APAweAFP, PAVANI

 Alles ist genau geregelt, so auch das Weiden der Kühe: © APAweAFP, PAVANI

Wien. Füttern, melken, ernten. Die Arbeit, die Bauern leisten, hat sich seit Jahrzehnten kaum verändert. Der Unterschied liegt allerdings im Wie: Was früher Bauer und Bäuerin selbst erledigten, übernehmen heute großteils Maschinen. Es geht um Effizienz und noch mehr Effizienz. Um Leistungssteigerung und technischen Fortschritt.

Parallel dazu hat das voranschreitende Bauernsterben zu Expansionen der verbliebenen Bauern geführt. Die Anzahl der Betriebe sinkt somit zwar weiterhin, und zwar europaweit, die durchschnittliche Betriebsgröße ist im Gegensatz dazu allerdings massiv gestiegen.

Grundsätzlich sterbe ja jeder Bauer irgendwann, sagt dazu Josef Siffert von der Landwirtschaftskammer (LK) Österreich, offiziell spreche man daher von "Strukturwandel". Wenn also ein Bauer nicht unbedingt stirbt, aber aufhört, der keinen Nachfolger in der Familie für den Hof hat, "heißt das nur, dass ein anderer Bauer größer wird".



Hofübernahmen wie diese - durch Kauf oder Pacht - haben dazu geführt, dass die Gesamtfläche, die ein Betrieb bewirtschaftet, von durchschnittlich 18,8 Hektar im Jahr 1951 auf 45,7 Hektar 2016 gestiegen ist. Die Anzahl der land- und forstwirtschaftlichen Betriebe ist indes im selben Zeitraum laut Statistik Austria von 432.848 auf 162.018 gesunken, die bewirtschaftete Fläche (etwas mehr als 7 Millionen Hektar) blieb relativ konstant.

Spitzenkühe mit Rekordleistung

In anderen Worten: Während ein Landwirt im Jahr 2000 insgesamt 67 Menschen mit seinen Nahrungsmitteln ernährte, seien es heute 130, sagt Siffert. Der Nahrungsverbrauch pro Kopf blieb dabei relativ konstant - die gesamte Nahrungsmittelproduktion steigt jedoch stetig an. Dem "Grünen Bericht" des Umweltministeriums zufolge wuchs diese in 15 Jahren um rund sieben Prozent, während die Anzahl der Landwirte im selben Zeitraum um 34 Prozent sank. Gleichzeitig stieg aufgrund des besseren Futters und der voranschreitenden Züchtung zum Beispiel auch die Leistungsfähigkeit der Milchkühe. Eine Spitzenkuh, wie Siffert sie nennt, gebe heute bis zu 10.000 Kilogramm Milch pro Jahr. In den 60ern waren es nicht mehr als 3000 Kilogramm.

Somit gibt es zwar immer weniger Bauern - diejenigen, die bestehen bleiben, erwirtschaften jedoch größere Erträge. Vom Bauernschwund ist allerdings nicht jede Sparte gleichermaßen betroffen. Ganz im Gegenteil. Betrachtet man die Entwicklungen im Detail, so sticht vor allem ein Bereich ins Auge: die Biolandwirtschaft. Seit der ersten Biomilch, die 1994 auf den Markt kam, kommen stetig neue Produkte und Betriebe dazu. Heute sind es bereits 23.680 - um rund 6000 mehr als um die Jahrtausendwende. Die bewirtschaftete Fläche stieg im selben Zeitraum von rund 455.000 auf heute 634.000 Hektar an, so die Zahlen von "Bio Austria", dem Verband der Biobauern.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-08 15:43:19
Letzte Änderung am 2018-06-09 12:19:25



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