• vom 16.07.2018, 17:35 Uhr

Politik


Asylanträge

Immer weniger Asylanträge




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  • Heuer 40 Prozent weniger Asylanträge gestellt. Syrer dürfen in der Regel bleiben, Afghanen nicht.


© apa/Herbert Neubauer © apa/Herbert Neubauer

Wien. Die Zahl der Asylsuchenden geht weiter zurück. Im ersten Halbjahr wurden in Österreich so viele Asylanträge wie zuletzt im Jahr 2011 gestellt. Laut der aktuellen Asylstatistik des Innenministeriums wurden in den ersten sechs Monaten des Jahres 7098 Ansuchen gestellt. Im ersten Halbjahr 2017 waren es noch 12.673. Das ist ein Minus von 40 Prozent. Im Jahr 2015 waren es noch 28.311 Asylanträge.

Nach wie vor werden die meisten Asylanträge von Syrern gestellt, nämlich 1829. Die zweitgrößte Gruppe sind Afghanen mit bisher 1062 Anträgen. Kosovaren oder Pakistani scheinen hingegen kaum noch in der Asylstatistik auf. Und: Gut zwei Drittel der Antragsteller sind Männer.


Auch die Zahl der Anträge von unbegleiteten minderjährigen Schutzsuchenden ist deutlich zurückgegangen. Im ersten Halbjahr gab es 297 Anträge. Bei 31 davon handelte es sich um Kinder unter 14 Jahren, wovon wiederum die Hälfte aus Afghanistan stammt.

Hohe Anerkennungsquote
bei Syrern


© M. Hirsch © M. Hirsch

Syrer haben ob des andauernden Bürgerkriegs in ihrer Heimat die höchste Anerkennungsquote im Asylverfahren. 90 Prozent ihrer Anträge auf Asyl wurden positiv beschieden. Ähnliches gilt auch für die Gruppe der Iraner. Bei den Afghanen wurden hingegen nur 48 Prozent der behandelten Anträge positiv abgeschlossen. Für Afghanen ein besonderes Thema ist der subsidiäre Schutz, also quasi Asyl light. In 1145 Fällen wurde dieser gewährt.

Platz zwei nehmen hier die Somalis (499) ein. 2426 positive Entscheidungen gab es unter dem Titel subsidiärer Schutz insgesamt. Beim humanitären Aufenthaltstitel liegen dagegen Russen, das heißt vor allem Tschetschenen (157), gefolgt von Afghanen (107). Insgesamt profitierten knapp 800 Flüchtlinge von der Möglichkeit, auf diesem Weg im Land bleiben zu dürfen. Die Zahl der offenen Verfahren belief sich am 30. Juni auf 46.077 Ende des Vorjahres waren es noch gut 10.000 mehr.

In den kommenden Wochen sind auch eine Reihe von Abschiebungen geplant, auch nach Afghanistan. Seit dem Vorjahr wird verstärkt nach Kabul abgeschoben. Zwar ist die Sicherheitslage dort weiterhin prekär. Das Innenministerium argumentiert aber damit, dass weite Landesteile friedlich und damit sicher für Rückkehrer seien.

Debatte um Abschiebung
von Lehrlingen

Rund 300 Lehrlinge sind kurz- oder mittelfristig von einer Abschiebung bedroht. Junge Schutzsuchende haben in Österreich die Möglichkeit, noch während des Asylverfahrens eine Lehrlingsausbildung in Mangelberufen zu beginnen. Diese ist allerdings keine Garantie für ein Bleiberecht.

Das kritisieren, wie berichtet, Wirtschaftsvertreter und Opposition. In vielen Branchen herrsche Fachkräftemangel. Firmen würden umsonst in die Ausbildung der jungen Menschen investieren, wenn diese erst wieder das Land verlassen müssen. Der Salzburger Grünen-Landesrat Rudi Anschober hat vergangene Woche zusammen mit Vertretern aus der Wirtschaft und einigen Gemeinden einen Abschiebestopp für Flüchtlinge in der Lehrlingsausbildung gefordert. Wirtschaftsminiserin Margarete Schrammböck (ÖVP) will hier allerdings nicht nachgeben. "Wenn ein Asylgrund besteht, dürfen sie bleiben", die Lehre könne nicht vor einer Abschiebung schützen.




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Dokument erstellt am 2018-07-16 17:41:12



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