• vom 06.08.2018, 18:07 Uhr

Politik

Update: 06.08.2018, 20:12 Uhr

Mindestsicherung

Armut bedeutet Sorgen




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Von Martina Madner

  • Wohnen, Krankheit, Arbeitslosigkeit: Von Armut betroffene Menschen beschäftigen vor allem existenzielle Probleme.

Wien. Wenn Ministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ) vom Boulevard zum Thema Mindestsicherung befragt wird, kann es zu bemerkenswerten Aussagen kommen. So geschehen im Interview von oe24.tv, als sie auf die Bemerkung des Interviewers: "Wenn man von 150 Euro leben kann", sagte: "Wenn man die Wohnung auch noch bekommt, dann sicher."

In einem Interview der "Kronen Zeitung" sagte sie auf die Armutsgefährdungsschwelle von 1238 Euro von Alleinlebenden angesprochen: "Das sind Statistiken, die ich nicht in Frage stellen will." Um gleich im Nachsatz auf ein anderes Thema einzugehen. Sie finde es "komisch", "dass ein Mensch ins Kino gehen muss, um an der Gesellschaft teilzuhaben." Und: "Ich finde nicht, dass Kino überlebensnotwendig ist."

Tatsächlich beschäftigen sich Menschen, die von Armut betroffen oder gefährdet sind wie zum Beispiel jene, die Mindestsicherung beziehen, weniger mit der Frage, ob sie sich einen Kinobesuch leisten wollen, als mit dem Dach über dem eigenen Kopf, dem Gesundheitszustand und der Suche nach existenzsichernder Arbeit. Das wissen Beratungsstellen, an die sich von Armut betroffene wenden.

Das zeigt aber auch eine Sonderauswertung der EU-Silc-Daten der Jahre 2015 bis 2017 zu den Lebensbedingungen von Haushalten mit und ohne Mindestsicherung (BMS). Sie zeigt nicht nur, dass sich 38 Prozent der Mindestsicherungsbezieher mit Kosten verbundene Freizeitaktivitäten, also Kino zum Beispiel, nicht leisten können, sonst sind es sieben Prozent. Nadja Lamei, Projektleiterin für EU-Silc bei der Statistik Austria, berichtet von 27 Prozent BMS-Haushalten "mit erheblichen Einschränkungen des Lebensstandards". Sie konnten sich also vier der neun folgenden Dinge nicht leisten: unerwartete Ausgaben bis zu 1160 Euro, einmal im Jahr Urlaub, jeden zweiten Tag Fleisch oder Fisch, ein Auto, einen Fernseher, eine Waschmaschine, ein Telefon oder Handy und das Heizen in der Wohnung. Zum Vergleich: In Haushalten ohne BMS-Bezug sind es drei Prozent.

Mangel an leistbarem und gesunden Wohnraum

Martin Schenk, Sozialexperte der Diakonie und Mitbegründer der Armutskonferenz, einer Art Dachverband, über den sich Schenk auch mit Vertretern anderer Sozialeinrichtungen austauscht, sagt: "Problem Nummer eins, mit dem die Leute zu uns in die Beratung kommen, ist, wenn das Wohnen nicht mehr leistbar ist." Häufig entstehe das Problem nach einem Einkommensverlust, etwa durch Arbeitslosigkeit, Krankheit oder wenn Menschen in Pension gehen.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-06 18:17:32
Letzte Änderung am 2018-08-06 20:12:41



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