• vom 07.08.2018, 18:03 Uhr

Politik

Update: 07.08.2018, 18:49 Uhr

Krankenkassen

Mehr Psychotherapie auf Krankenschein




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Von Karl Ettinger

  • Psychische Erkrankungen sind der häufigste Grund, warum Österreicher vorzeitig in Pension gehen.


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Wien. Erstmals nach 27 Jahren ist es ab 1. September so weit. Die Zuzahlung der Krankenkassen, wenn jemand Psychotherapie in Anspruch nimmt, wird erhöht - von 21,80 Euro auf 28 Euro bei Gebietskrankenkassen pro Sitzung. Der Hauptverband der Sozialversicherungen als Dachorganisation der Kassen ist aber noch stärker bemüht, das Angebot für psychotherapeutische Behandlungen mit vollfinanzierten Sachleistungen in Form von Psychotherapie auf Krankenschein um 25 Prozent auszuweiten.

Rund 80.000 Patienten sollen Ende 2019 dann in Form solcher "Sachleistungen" betreut werden. Nicht umsonst wurde das Freud-Museum in Wien-Alsergrund als Schauplatz für die Verkündung von Hauptverbandschef Alexander Biach und dem Präsidenten des Bundesverbandes für Psychotherapie, Peter Stippl, gewählt.


Hauptverband und Krankenkassen reagieren damit auf den Umstand, dass in Österreich zunehmend Menschen von der Möglichkeit, psychische Störungen von Fachleuten behandeln zu lassen, Gebrauch machen. Jeder zweite Mensch in Österreich ist nach den aktuellen Daten einmal in seinem Leben mit psychischen Problemen konfrontiert. Eine Viertelmillion Menschen, also rund 250.000, lassen sich deswegen pro Jahr behandeln. Tendenz steigend.

Das geht auch aus den Aufwendungen der Krankenkassen für die Psychotherapie zurück. Im Jahr 1994 lagen die Ausgaben aller Krankenversicherungen für Kostenzuschüsse zur Psychotherapie bei zehn Millionen Euro. Inzwischen sind es allein für die Zuzahlungen an die Patienten rund 25 Millionen Euro.

Dazu kommt jedoch, dass die Ausgaben für das Angebot vollfinanzierter Sachleistungen, also die Abgeltung für "Psychotherapie auf Krankenschein", seither wesentlich rasanter gestiegen ist. Diese lagen im Jahr 1994 gerade einmal bei rund fünf Millionen Euro. 2001 überstiegen die Aufwendungen für die vollfinanzierten Behandlungsangebote mit rund 18 Millionen Euro erstmals die Kosten für Zuschüsse für die Nutzung privater Angebote. Seither zeigt die Kurve deutlich nach oben - bis zu 68 Millionen im Jahr 2016 für Psychotherapie als volle Kassenleistung.

65.000 nützen private Angebote statt jene der Krankenkassen
Trotz des Ausbaus des Angebots von Psychotherapie auf Krankenschein auf 80.000 Patienten reicht das allein nicht, um den Bedarf zu decken. Zumal in der Regel nur zehn Therapiestunden gezahlt werden. Bei rund 65.000 Menschen werden Zuschüsse gezahlt. Mit der Anhebung der Zuzahlung ab Anfang September rechnet der Hauptverband damit, dass auch diese Variante stärker genützt wird. 90.000 Betroffene sollen künftig in der Kurzversorgung, das sind Ambulanzen und stationäre Einrichtungen, betreut werden.

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Dokument erstellt am 2018-08-07 18:11:31
Letzte Änderung am 2018-08-07 18:49:47



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