• vom 08.08.2018, 17:57 Uhr

Politik

Update: 08.08.2018, 18:28 Uhr

Landmedizin

Der Hausarzt soll zum Facharzt werden




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Von Simon Rosner

  • In den kommenden Jahren werden bis zu 60 Prozent aller Allgemeinmediziner in Pension gehen.



Wien. Es ist eines der grundsätzlichen Dilemmas der Demokratie, dass die Dauer der Legislaturperioden die Kurzfristigkeit fördert, während die komplexe Realität oft ganz andere Lösungen verlangt. Ein Beispiel dafür sind die größer werdenden Lücken in der allgemeinmedizinischen Versorgung.

Dieses Problem ist seit langem bekannt, die Politik weiß um die bevorstehende Pensionierungswelle und sich verändernde Interessen angehender Mediziner. Ein gut funktionierendes Hausarzt-System ist auch nicht nur gesundheitspolitisch von Bedeutung, es ist längst zu einem Grundbedürfnis der Menschen geworden. Und dennoch: "Von der Politik kommt nichts außer Floskeln", sagt der Allgemeinmediziner Edgar Wurtscher, Vorstand der Tiroler Ärztekammer.


Tatsächlich ist nicht nur die Politik Entscheidungsträger in dieser Sache, auch die Ärztekammer, der Hauptverband sowie die universitären Einrichtungen gehören dazu, die Politik hat aber eine gesamtheitliche Steuerung bisher vermissen lassen - wohl auch wegen des zuvor erwähnten Dilemmas der Demokratie.

So begannen und endeten Legislaturperioden, und begannen wieder von vorn. Irgendwann bekamen dann einige Politiker, primär Bürgermeister in kleinen Gemeinden, die ersten Windstöße der anrollenden Herausforderung zu spüren. Kassenstellen konnten nur mühsam neu besetzt werden. Die große Pensionswelle rückt näher, sie wird nun zu einem kurzfristigen Problem, und das bringt die Politik immer auf den Plan.

Ins Regierungsprogramm haben sich ÖVP und FPÖ hineingeschrieben, dass sie die Rahmenbedingungen für Hausärzte attraktiver gestalten und die Versorgung sicherstellen wollen. Noch hat die Regierung aber nicht konkretisiert, wie sie diese Ziele erreichen will.

"Ein unglaublich
komplexes Problem"

In einem - durchaus bemerkenswerten - Prozess haben nun Hausärzte selbst, und zwar in Kooperation mit der Ärztekammer und der universitären Allgemeinmedizin, einen Masterplan entwickelt, um das gemeinsame Ziel zu erreichen. "Es pressiert schon", sagt Susanne Rabady, die den Masterplan initiiert und mit einem Team koordiniert hat. Sie selbst ist Hausärztin in einer kleinen Gemeinde im Waldviertel. "Es fehlt ein strukturierter Zugang zu diesem Problem, das unglaublich komplex ist", sagt Rabady von der Österreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (ÖGAM).

Der Masterplan lässt sich dabei durchaus auch als Einsparungsprogramm lesen - langfristig gesehen. Wenn die Rahmenbedingungen nicht attraktiv genug sind, die Politik aber gleichzeitig die medizinische Versorgung sicherstellen will (und muss), wird es teuer. Schon jetzt fließen in einigen Gemeinden öffentliche Gelder in die Adaptierung und Renovierung von Arztpraxen.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-08 18:08:26
Letzte Änderung am 2018-08-08 18:28:12



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