• vom 10.08.2018, 17:53 Uhr

Politik

Update: 10.08.2018, 18:15 Uhr

Frauen

In der Spirale der Gewalt




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Von Martina Madner

  • Gewaltschutzzentren, Frauenhäuser, Frauenberatung helfen Frauen, aus Gewalt in der Familie auszubrechen.

mujer maltratada, violencia domestica

© stock.adobe.com/esthermm mujer maltratada, violencia domestica© stock.adobe.com/esthermm

Wien. "Es gab überhaupt keine Anzeichen dafür, dass er wieder zu seinem alten Verhalten zurückkehren könnte. Dann aber veränderte er sich radikal. Es war gerade so, als wäre es das Normalste der Welt, dass man vollkommen auszuckt. Ohne Anlass, aber gleich so massiv, dass in unserer Wohnung von einem Moment auf den anderen Trümmer herumgeflogen sind", erzählt Erna Berthold (Name geändert), wie die Gewalt wieder begann.

Wieder, da sich Berthold nach langen Jahren Ehe mit einem Gewalttäter zur Scheidung durchgerungen hatte, danach von diesem niedergestochen wurde - doch einige Jahre später kehrte sie wegen der Kinder zum angeblich Geläuterten wieder zurück.


Seine Versprechungen hielten zwar einige Jahre, aber eben nicht auf Dauer. Er schlug sie wieder. "Meine erste Reaktion war sofort: ‚Wenn du jetzt nicht gehst, gehe ich. Mir reicht es, noch einmal tue ich mir das nicht an.‘" Sie habe ihre Sachen gepackt - aber: "Da hat er ein Fleischermesser genommen, es mir an den Hals gesetzt und gemeint: ‚Wenn du gehst, bist du tot.‘" Sie blieb, "weil ich ihm das ehrlich zugetraut habe".

So weit daneben lag sie mit ihrer Einschätzung nicht: Berthold erlitt eine Gehirnblutung, starb beinahe daran - bevor sie den Mann endgültig verließ. "Ich bin froh, dass ich noch hier bin", sagte sie mir, als sie mir ihre Lebensgeschichte für das Buch "Bevor der Tod uns scheidet" erzählte. Dass sie sich von der Gewalt in ihrer Familie befreien konnte, liegt auch an der Unterstützung, die sie vom gut zusammenarbeitenden Netzwerk an Gewaltsschutzzentren, Frauenhäusern und Beratungsstellen erhielt.

Ein Netzwerk, von dem Ministerin Juliane Bogner-Strauß zwar sagt, es "in den Fokus" stellen zu wollen. Ein Netzwerk, das durch ihre Kürzungspolitik aktuell allerdings Löcher bekommt.

Wenn Gewalt zum Alltag wird
Berthold hatte lange geschwiegen, auch mangels hilfreichem Gegenüber. Sie hatte das Vertrauen in die Polizei verloren, da die Beamten, die sie zur Messerattacke befragten, mehr mit Sorge, was Bertholds Aussage für den Exmann bedeutete, beschäftigten als mit ihr als Opfer. Ärzte wiesen sie damals nicht auf Hilfsangebote hin. Solche Eindrücke prägten sie auch noch, als die Gewalt wieder begann - und sich intensivierte.

"Blaue Flecken und Abschürfungen gehörten für mich zur Tagesordnung. Die Schläge wurden Alltag. Alles war ein Grund, auf mich einzuschlagen", beschreibt Berthold ihr damaliges Leben. "Ich habe resigniert und versucht, so viel wie möglich zu verdrängen." - "Du funktionierst eigentlich nur mehr." - "Nach außen hin habe ich eine Fassade aufgebaut." - "Außerdem versuchte er, mich von allen fernzuhalten und mich richtiggehend vor der Welt abzuschirmen." - "Ich fühlte mich total abgekapselt und von der Welt isoliert."

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Dokument erstellt am 2018-08-10 18:02:32
Letzte Änderung am 2018-08-10 18:15:36



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