• vom 30.08.2018, 17:39 Uhr

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  • Finanzminister Löger möchte Kleinunternehmer bürokratisch entlasten. Für Experten ist sein Ansatz nur ein erster Schritt.

Finanzminister Löger will die Pauschalsätze auf bis zu 70 Prozent anheben.

Finanzminister Löger will die Pauschalsätze auf bis zu 70 Prozent anheben.© APA/HANS PUNZ Finanzminister Löger will die Pauschalsätze auf bis zu 70 Prozent anheben.© APA/HANS PUNZ

Wien. (jm) Es ist eines jener großen Vorhaben, mit der die Bundesregierung angetreten ist: Die Steuerreform, die 2020 in Kraft treten soll. Im Zuge dieser soll die Abgabenquote in Richtung 40 Prozent gesenkt und, wenn es nach den kürzlich publik gewordenen Plänen von Finanzminister Hartwig Löger geht, sollen auch Kleinunternehmer bürokratisch entlastet werden. Löger will ihnen mit großzügigeren Pauschalierung helfen. Der Fokus liegt auf 200.000 Unternehmern und Selbstständigen mit einem Umsatz unter 30.000 Euro.

Aktuell betragen die Pauschalierungssätze für Betriebsausgaben sechs oder zwölf Prozent. Die will der Finanzminister je nach Branche auf bis zu 70 Prozent erhöhen. "Dass im Moment nur 20 Prozent der Unternehmer von der Pauschalierungsmöglichkeit Gebrauch machen, zeigt ja deutlich, dass die Sätze nicht passen", sagte Finanzminister Löger im Interview mit dem Magazin "trend".


Nimmt ein Kleinunternehmen künftig die Pauschalierung in Anspruch, so kann Löger sich vorstellen, dass "Unternehmen im Wesentlichen nur mehr den Umsatz deklarieren und ansonsten keine Angaben mehr machen müssen. Das wäre gleichzusetzen mit dem Wegfall der Steuererklärung für Kleinunternehmen."

Aber ist das gerecht? Nach Ansicht des Steuerberaters Klaus Hübner sei es grundsätzlich sehr gut, über Vereinfachungen nachzudenken und zu diskutieren. Es sei ein erster Vorschlag, "wie immer liegt das Problem aber im Detail", sagt Hübner.

Einerseits sei es schwierig, unterschiedliche Konstellationen mit einer einzigen Maßnahme in den Griff zu bekommen. Andererseits könne es verfassungsmäßig ein Problem geben. "Man kann schon die Frage stellen, ob es gerecht ist, wenn jemand 30.000 Euro Umsatz macht, keine Belege hat und trotzdem die Pauschale nehmen kann gegenüber einem anderen, der die Spesen hat", sagt Hübner. "Man zahlt ja auch gleich viele Steuern, ob man nun 5000 oder 30.000 Euro Gewinn macht."

"Kennen Details noch nicht"
Schon in der Vergangenheit seien die Leute zum Steuerberater gegangen und hätten gefragt, was mehr Geld bringt: die Pauschale oder doch die Zettelwirtschaft durchzugehen. "Bisher ist man in der Regel besser ausgestiegen, wenn man die Pauschalierung nicht in Anspruch genommen hat, das konnten wir vorrechnen", sagt Hübner. "Natürlich haben die Leute dem Steuerberater ein paar hundert Euro Honorar gezahlt, aber es hat sich immer ausgezahlt, die Belege durchzugehen."

Wenn die Pauschalen großzügiger werden, könne es durchaus sein, dass sie öfter in Anspruch genommen wird. "Wenn Löger die 70 Prozent durchhält, dann ist das für die Leute nah an der Realität und sie ersparen sich die Bürokratie und es fallen bis zu 400 Euro Kosten für den Steuerberater weg, bei 20 Prozent werden sie weiterhin zum Steuerberater pilgern", sagt Hübner. Wie viel sich die Unternehmen ersparen und der Fiskus weniger bekommt, sei noch unklar. "Wir kennen die Details noch nicht", sagt Hübner.

Ein großes Aber
Auch nach Ansicht der Steuerexpertin Verena Trenkwalder ist die Ausweitung der Pauschalierung ein gutern erster Schritt. Im Ö1-"Mittagsjournal" setzt sie jedoch ebenfalls ein großes Aber hinter diesen Satz. Es sei keine wirkliche Lösung, sagt Trenkwalder, "weil man das Steuersystem insgesamt vereinfachen muss" und nicht nur für 200.000 Unternehmer und Selbstständige.

Laut Trenkwalder sei die Pauschale meistens nicht gerecht. Werde sie zu einem Wahlrecht, dann wäre es eine Steuerentlastung. Dann rechne in der Theorie jeder, ob die Pauschale oder die Steuererklärung die günstigere Variante ist. "Wenn die Pauschale verpflichtend wird", sagt Trenkwalder, "dann gibt es sicher Gewinner und Verlierer".




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Dokument erstellt am 2018-08-30 17:47:55



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