• vom 03.09.2018, 09:43 Uhr

Politik

Update: 03.09.2018, 15:48 Uhr

Beschäftigungszahlen

Arbeitslosigkeit sinkt bei Männern stärker




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Von WZ Online, APA

  • Ein Viertel mehr offene Stellen, Arbeitslosenquote liegt bei 7 Prozent.

Gender Gap bei Arbeitslosigkeit: Der Rückgang betrug bei Männern 9,1 Prozent, bei den Frauen 5,7 Prozent. - © APAweb / Roland Schlager

Gender Gap bei Arbeitslosigkeit: Der Rückgang betrug bei Männern 9,1 Prozent, bei den Frauen 5,7 Prozent. © APAweb / Roland Schlager

Arbeitslose und Schulungsteilnehmer Ende August 2013-2018.

Arbeitslose und Schulungsteilnehmer Ende August 2013-2018.© APA Arbeitslose und Schulungsteilnehmer Ende August 2013-2018.© APA

Wien. Noch ein Gender Gap am Arbeitsmarkt: Die Arbeitslosigkeit sinkt bei Männern wesentlich stärker als bei Frauen. Der Rückgang betrug bei den Männern im August 9,1 Prozent, bei den Frauen 5,7 Prozent, teilte das Arbeitsmarktservice am Montag mit. Die Arbeitslosenquote betrug im August 7 Prozent.

AMS: "Sogar Langzeitarbeitslose profitieren von der Entwicklung"

"Alle Altersgruppen, alle Bundesländer, alle beschäftigungsstarken Branchen, Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen, sogar langzeitarbeitslose Menschen können erfreulicherweise von der guten Arbeitsmarktentwicklung profitieren", schreibt das AMS. Auch bei Menschen über 50 Jahren gab es einen Rückgang, ebenso in allen Ausbildungskategorien vom Pflichtschulabschluss bis zu den Akademikern.

Die Arbeitslosigkeit ist auch im August deutlich niedriger gewesen als im Vorjahresmonat. Ende August waren 344.651 Menschen ohne Job, um 8 Prozent weniger als vor einem Jahr. Davon waren 288.186 arbeitslos gemeldet (minus 7,5 Prozent) und 56.465 Personen in Schulung (minus 10,8 Prozent). Die Arbeitslosenquote nach nationaler Definition betrug damit im August 7,0 Prozent.

Die Arbeitslosenquote lag damit um 0,7 Prozentpunkte niedriger als vor einem Jahr, aber saisonal bedingt etwas höher als im Juli (6,9 Prozent), teilte das Arbeitsmarktservice am Montag mit. Parallel zur geringeren Arbeitslosenrate gab es auch mehr offene Stellen. Fast 80.000 Jobs waren im August sofort verfügbar, das waren um fast 17.500 oder 28,3 Prozent mehr als im Vergleichsmonat des Vorjahres. 6.653 Lehrstellen waren sofort verfügbar, bei 8.390 aktuell Lehrstellensuchenden. Das AMS schätzt die Zahl der unselbstständig Beschäftigten auf 3,811.000 das entspricht einem Anstieg um 2,3 Prozent oder 86.000 Jobs.

Anstieg der unselbständigen Beschäftigten

Inklusive Schulungen waren im August 344.651 Menschen ohne Job, um 30.000 weniger als vor einem Jahr. Zugleich verzeichnete das AMS einen Anstieg der unselbstständig Beschäftigten um 86.000 auf 3,811.000.

Zweistellige Rückgänge bei Menschen ohne Job (Arbeitslose und Schulungen zusammen) verzeichneten Tirol (15,7 Prozent), die Steiermark (11,6 Prozent) und Oberösterreich (10,7 Prozent). Den geringsten Rückgang gab es in Vorarlberg (2,3 Prozent). In Wien machte der Rückgang 5,7 Prozent aus.

Langsam stellt sich das Thema, wie schnell Firmen ihre offenen Stellen besetzen können: "Damit verbunden zeigt sich, dass es Unternehmen nunmehr schwerer fällt, Stellen rasch zu besetzen, so ist die durchschnittliche Laufzeit einer offenen Stelle mit 49 Tagen um 9 Tage gegenüber dem Vorjahr gestiegen", so das AMS. Die Zahl der offenen Stellen wuchs um rund 17.500 auf 79.354, die Zahl der offenen Lehrstellen um 962 auf 6.653, bei 8.390 Lehrstellensuchenden.

Betriebe melden offene Stellen häufiger beim AMS

Die Betriebe haben zuletzt 41 Prozent der offenen Stellen dem AMS gemeldet, das sei der höchste jemals erreichte Wert, sagte AMS-Chef Johannes Kopf im "Mittagsjournal". Das AMS fördere im Kampf gegen Fachkräftemangel 35.000 Menschen auf ihrem Weg zum Lehrabschluss. Weitere 35.000 Menschen, vor allem Ältere und Frauen, erhalten AMS-Förderung für die betriebliche Qualifikation.

Die Arbeitslosigkeit dürfte auch 2019 noch sinken, 2020 könne man noch nicht genau vorhersagen. Beim Bestreben, Jugendliche aus dem Ausland für die Lehre anzuwerben, ist Kopf skeptisch. Die Rot-Weiß-Rot-Karte ziele auf hoch qualifizierte Menschen ab, das sei bei einem 15-Jährigen schwer nachzuweisen. Auch habe Deutschland mit dem Versuch im EU-Ausland Jugendliche für die Lehre anzuwerben wenig Erfolg gehabt, obwohl dafür 800 Mio. Euro aufgewendet wurden. Interessant sei das deutsche Modell, dass Großbetriebe im Ausland Lehrlinge ausbilden und diese Qualifikation dann in Deutschland anerkannt wird.

Kopf ist nicht überrascht, dass es eine Diskussion über die Lehre für Asylwerber gibt. Diese Option habe Österreich nur eröffnet, weil die Asylverfahren nach dem großen Flüchtlingszustrom 2015/16 so lange dauerten und alles besser sei, als Jugendliche unbeschäftigt zu lassen. Er befürworte aber, wenn diesen Jugendlichen nun ermöglicht werde, die Lehre abzuschließen. Wie es danach weitergehe, werde noch zu diskutieren sein.

Das AMS-Budget für 2019 wird "schwieriger als in den Vorjahren", räumte Kopf ein. Noch diese Woche sei ein Gespräch mit Sozialministerin Beate Hartinger-Klein vorgesehen, nächste Woche Donnerstag folge der AMS-Verwaltungsrat. "Ich gehe davon aus, dass bis dahin Klarheit herrscht." Angesichts der Unsicherheit, wie viel Rücklage das AMS auflösen darf, sei man bei der Vergabe von Kursen für 2019 noch "zurückhaltend". Jedenfalls aber seien Veränderungen geplant, weil das AMS noch stärker Fachkräfte ausbilden wolle. Mindestens wird das Budget 1,05 Mrd. Euro betragen, Kopf erwartet maximal 1,25 Mrd. Euro.





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Dokument erstellt am 2018-09-03 09:46:07
Letzte Änderung am 2018-09-03 15:48:35



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