• vom 06.09.2018, 17:30 Uhr

Politik

Update: 09.09.2018, 10:18 Uhr

FPÖ

"Musterlehrling" zu Unrecht beschuldigt




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Von Jan Michael Marchart

  • Die Staatsanwaltschaft bestätigt die "Verwechslung". Trotz Blamage sieht die FPÖ die Schuld nicht bei sich.



Sieht trotz Bauchfleck keine Schuld bei sich: Wiener FPÖ-Chef Johann Gudenus.

Sieht trotz Bauchfleck keine Schuld bei sich: Wiener FPÖ-Chef Johann Gudenus.© apa/Georg Hochmuth Sieht trotz Bauchfleck keine Schuld bei sich: Wiener FPÖ-Chef Johann Gudenus.© apa/Georg Hochmuth

Wien/Linz. Der von den Freiheitlichen und der "Kronen Zeitung" seit Tagen kriminalisierte junge Mann ist nicht der "Musterlehrling", der von Bundespräsident Alexander Van der Bellen und dem oberösterreichischen Landesrat Rudi Anschober (Grüne) öffentlichkeitswirksam besucht wurde. Die Staatsanwaltschaft bestätigte am Donnerstag Recherchen der "Wiener Zeitung".

Dass der Verfassungsschutz gegen den "Musterlehrling" E. H. als mutmaßlichen Sympathisanten einer Miliz der Terrororganisation Hisbollah ermittelt, wie es die FPÖ Anfang dieser Woche behauptet haben, stimmt nicht. Er wurde zu Unrecht beschuldigt und an die Öffentlichkeit gezerrt. Das bestätigt die Staatsanwaltschaft und nimmt für diese Erkenntnis einen Vorbericht der Ermittler als Grundlage.

Die FPÖ versucht ihren politischen Bauchfleck damit zu relativieren, indem sie behauptet, die "richtige Person" angezeigt zu haben. Auf Anschobers Facebook-Seite sei E.HF. lediglich mit einem Terrorsympathisanten falsch verlinkt worden. Wie die "Wiener Zeitung" berichtete, hat sich jene Person allerdings nachweislich selbst auf dem Foto markiert.

Aber was hat es überhaupt mit der Miliz "Liwa Fatemiyoun" auf sich, die die FPÖ dazu bewegte, den "Musterlehrling" anzuzeigen? Ist sie eine Terrororganisation? "Es gibt von ihr keine internationalen Terrorhandlungen", sagt Petra Ramsauer, Syrien-Expertin und Journalistin. "Die Miliz spielt nur in der syrischen Innenpolitik eine Rolle."

Falsche Hisbollah

Die Miliz kämpft an der Seite der Truppen von Baschar al-Assad, sie rekrutiert sich aus jungen Hazara, einer schiitischen afghanischen Volksgruppe. Laut Medienberichten werden aber vor allem Burschen, die von Afghanistan in den Iran geflüchtet sind, sich dort illegal aufhalten und daher von Ausbeutung bedroht oder gar betroffen sind, für den bewaffneten Kampf in Syrien angeworben - mit dem Versprechen, sich einen Aufenthaltstitel im Iran erwerben zu können. Und es gibt Geld. "Viele Flüchtlinge, die aus dem Iran zu uns gekommen sind, sind von der zwanghaften Rekrutierung der Miliz geflohen", sagt Ramsauer. "Daraus erklärt sich der starke Draht zur Fatemiyoun." Vielleicht auch, um zu eruieren, wie es Freunden geht, die sich noch in den Fängen der Miliz befinden.

Das Geld für diese Miliz, die auch als afghanische Hisbollah bezeichnet wird, dürfte aus dem Iran kommen. Mit der libanesischen Terrororganisation Hisbollah hat sie aber nichts zu tun. Sie wird in Anlehnung an die in den 80ern gegründete Miliz so genannt, "weil sie die erste war, die der Iran unterstützt, aber in einem anderen Land tätig ist." Im Syrien-Krieg kämpfen mehrere Milizen dieser Art.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-09-06 17:39:00
Letzte Änderung am 2018-09-09 10:18:03



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