• vom 06.09.2018, 17:38 Uhr

Politik

Update: 06.09.2018, 18:33 Uhr

Armut

"Leben am Limit bedeutet Stress"




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Von Martina Madner

  • Caritas-Präsident Michael Landau wünscht sich mehr Sicherheit - im sozialen Bereich.



Michael Landau appelliert, von Armut Betroffene nicht gegeneinander in Stellung zu bringen.

Michael Landau appelliert, von Armut Betroffene nicht gegeneinander in Stellung zu bringen.© Luiza Puiu Michael Landau appelliert, von Armut Betroffene nicht gegeneinander in Stellung zu bringen.© Luiza Puiu

Alpbach/Wien. Beim Thema Sicherheit sprechen Regierungsvertreter vornehmlich von Grenzschutz, Terrorismusbekämpfung, Migration. Michael Landau, Präsident der österreichischen Caritas, rückt dagegen die soziale Sicherheit in den Mittelpunkt. Er spricht sich gegen "eine Spaltung der Gesellschaft" aus, für "mehr Zusammenhalt und mehr Zuversicht", ein gutes Leben für möglichst alle Menschen.

"Wiener Zeitung": Vor kurzem wurden die Pensionen erhöht, kleinere mehr als große. Reicht das, um Armut im Alter zu vermeiden?

Michael Landau:Es ist richtig, auch bei den Pensionistinnen und Pensionisten, die verletzlichsten Gruppen genau im Blick zu haben. Eine besondere Sorge für jene mit Mindestpension ist schon vernünftig. Es geht aber auch ein Stück weit um die Frage der Generationengerechtigkeit. Österreich braucht sich mit seinen Sozialausgaben nicht zu verstecken, aber fast die Hälfte wird für Pensionen und Zuschüsse verwendet, während die Mindestsicherung gerade einmal ein Prozent der gesamten Sozialausgaben ausmacht. Wir dürfen weder die Armut, die es gibt, aus dem Blick verlieren, noch die Chancen kommender Generationen. Es geht um Werthaltungen, eine Gesellschaft, die da hinschaut, wo es für Menschen brüchig wird.

Michael Landau ist öster- reichischer katholischer Geistlicher und seit 2013 Präsident von Caritas Österreich.

Michael Landau ist öster- reichischer katholischer Geistlicher und seit 2013 Präsident von Caritas Österreich.© Luiza Puiu Michael Landau ist öster- reichischer katholischer Geistlicher und seit 2013 Präsident von Caritas Österreich.© Luiza Puiu

Wo wird es für Menschen brüchig?

Dort, wo Menschen an den Rand gedrängt werden, finden wir Alleinerzieherinnen, kinderreiche Familien, Mindestpensionisten. Es geht um Einsamkeit, das ist eine neue Art von Armut, der wir uns stellen müssen. Um alldem zu begegnen, sind Eigenverantwortung und Verantwortung füreinander notwendig. Was ich in meiner täglichen Arbeit wahrnehme, ist, dass Veränderung in den Köpfen und in den Herzen beginnt. Ziel ist ein möglichst gutes Leben für alle Menschen weltweit, weniger Spaltung, weniger Armut, mehr Chancen, mehr Zusammenhalt, mehr Zuversicht. Um ein Beispiel zu nennen: Jede Mutter möchte, dass es ihrem Kind gut geht. Aber gehört dazu nicht auch, dass es dem Kind, das in der Schule neben dem eigenen sitzt, auch gut geht?

Mindestsicherung und Arbeitslosengeld sollen reformiert werden. Was erwarten Sie sich davon?

Ein einheitliches Modell darf nicht zu mehr Kinder- und Altersarmut führen - das kann sich niemand wünschen. Armut muss sinken und nicht steigen. Das gilt es außer Streit zu stellen, daran muss jede Reform Maß nehmen. Die Regierung bemüht sich um eine europa- und verfassungsrechtlich korrekte Reform der Mindestsicherung. Das ist gut. Sie muss sich aber auch an der konkreten Realität der Menschen orientieren.




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Dokument erstellt am 2018-09-06 17:48:03
Letzte Änderung am 2018-09-06 18:33:02



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