• vom 07.09.2018, 18:04 Uhr

Politik

Update: 07.09.2018, 18:21 Uhr

Pflege

Gipfel, um Pflegenotstand zu verhindern




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Von Martina Madner

  • Fehlende Fachkräfte, steigende Kosten, Angehörige ohne Unterstützung - die Probleme sind akut.

Reformen in der Finanzierung der Pflege sind laut Vertretern der Praxis dringlich.

Reformen in der Finanzierung der Pflege sind laut Vertretern der Praxis dringlich.© leno2010/stock.adobe.com Reformen in der Finanzierung der Pflege sind laut Vertretern der Praxis dringlich.© leno2010/stock.adobe.com

Wien. Es war erst ein Schulterschluss zweier Mitbewerber am Markt: "Wegen gemeinsamer Anliegen wollen wir an einem Strang ziehen", sagt Othmar Karas als Präsident des Hilfswerks Österreich. Es ist ein Markt, in den "zu investieren, volkswirtschaftlich sinnvoll ist", sagt Michael Landau, Caritas Österreich-Präsident. Laut Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) bringt dieser Markt eine Wertschöpfung von 5,9 Milliarden Euro und lastet rund 115.000 Jobs aus. Das sorgt für 1,1 Milliarden Steuern und 1,3 Milliarden Euro an Sozialversicherungsbeiträgen.

Beim Markt handelt es sich um jenen der Pflege - und der kämpft mit Problemen: Es geht um 30.000 zusätzliche Mitarbeiter, die schon 2030 bzw. 40.000, die 2050 fehlen. Es geht um eine Kostensteigerung von 360 Prozent, ebenfalls laut Wifo: Lagen sie 2015 bei knapp zwei Milliarden Euro, werden es im Jahr 2050 rund neun Milliarden Euro sein. Es ist ein Markt, der mit einer Verdoppelung von über 80-jährigen Menschen bis 2050 auf rund eine Million Menschen enorm wächst.


Es ist aber vor allem ein "Markt", der älteren Menschen einen "möglichst selbstbestimmten Lebensabend in Würde", wie Landau es formuliert, auf deren häufigen Wunsch und wenn möglich auch zu Hause, ermöglichen soll.

Die Forderung von Hilfswerk und Caritas: ein Pflegegipfel, um dem "drohenden Personal- und Finanzierungsnotstand zu begegnen", sagt Landau. Es ist eine Forderung, die Diakonie-Direktorin Maria Katharina Moser "sehr unterstützt", eine der sich Rotkreuz-Präsidenten Gerald Schöpfer "nur anschließen kann"; die auch von Erich Fenninger, Bundesgeschäftsführer der Volkshilfe unterstützt wird, "um die vielen Probleme auf den Tisch zu legen und den Stillstand zu beenden". Der Druck aus der Praxis auf die Politik, sich dem Thema Pflege zu widmen, steigt also. Denn, so Karas: "Das Pflegeproblem ist akut - und es wird sich in Zukunft dramatisch verschärfen."

Belastete Angehörige
Schon heute beziehen 459.000 Personen Pflegegeld. Zum Teil werden sie in Heimen gepflegt, zum weit größeren Teil, 84 Prozent, aber zu Hause. Davon wiederum nehmen 31 Prozent die Unterstützung mobiler Dienste in Anspruch, fünf Prozent haben eine 24-Stunden-Betreuung, zwei sind hin und wieder in teilstationären Einrichtungen. Fast die Hälfte davon, 46 Prozent, wird aber gänzlich alleine von 950.000 Angehörigen gepflegt und betreut. Sie bilden damit laut Landau den "größten Pflegedienst Österreichs". Sie erhalten weder Kurse noch Beratung als Unterstützung. "Dabei wäre eine Anleitung für pflegende Angehörige, zum Beispiel wie gehe ich mit Opa oder Oma um, damit ich ihnen beim Aufstehen helfen nicht wehtue, wirklich hilfreich", sagt Landau.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-09-07 18:15:02
Letzte Änderung am 2018-09-07 18:21:32



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