• vom 12.09.2018, 18:12 Uhr

Politik


Lehre

Neue Zuwanderer statt Lehre für Asylwerber




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Neue Mangelberufe
Was ein Mangelberuf ist, wurde vor Jahren sozialpartnerschaftlich ausgehandelt und in eine Formel gegossen. Er liegt dann vor, wenn in einer Berufsgruppe auf eine Stelle 1,5 Arbeitslose oder weniger entfallen. Das Ost-West-Gefälle bei Fachkräften führt hier bisweilen zu Verzerrungen. So gibt es etliche Berufe, die im Durchschnitt zwar keinen Mangel an Fachkräften aufweisen, wohl aber in einzelnen Bundesländern.

Wie genau die neue Regelung umgesetzt werden soll, ist allerdings noch nicht klar. Offenbar ist die Ausweitung der Mangelberufsliste doch etwas kurzfristig beschlossen worden. Anzunehmen ist, dass eine Rot-Weiß-Rot-Karte nur dann bewilligt wird, wenn eine Arbeitskraft eine Stelle in einem Bundesland annimmt, in dem es einen Mangel gibt. Das trifft zum Beispiel auf Köche in Tirol zu.

Der Mangelberuf ist eben aber nur eine politische Definition. Tatsächlich suchen auch in Wien zahlreiche Gastronomen Köche, die qualifiziert sind und bereit sind, unter den angebotenen Konditionen zu arbeiten. Dass sich durch die de facto Ausweitung der Mangelberufsliste die Zahl der Zuwanderer insgesamt vergrößern wird, liegt auf der Hand. Bereits am Dienstag hatte Wirtschaftskammerpräsident Harald Mahrer gesagt, dass es ohne qualifizierte Zuwanderung auch nicht gehen werde. Diese neuen Gastarbeiter sollen unter anderem aus Asien geholt werden, etwa IT-Techniker.

Asylberechtigte vermitteln
Doch was ist mit jenen Zuwanderern, die schon in Österreich sind? Eine größere Gruppe sind die anerkannten Flüchtlinge. Während Asylwerber, die keinen Zugang zum Arbeitsmarkt haben, bisher ihre eigene Situation durch eine Lehre verbessern konnten, ist dies bei Asylberechtigten anders. Trotz einiger Initiativen, unter anderem auch der Wirtschaftskammer, gelingt es bisher kaum, junge Asylberechtigte in offene Lehrstellen zu bringen.

Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck kündigte an, Mittel dafür aufzustocken, konkret sollen Weiterbildungskurse aus der betrieblichen Lehrstellenförderung dafür verwendet und erhöht werden. Etwa damit junge Asylberechtigte besser Deutsch lernen. Einen anderen Hebel hat sie bei der überbetrieblichen Lehrausbildungen ausgemacht, wo es für die Lehrlinge derzeit keine Verpflichtung gebe, sich zu bewerben. Das soll sich künftig ändern.

Ein grundsätzliches Problem bei Asylberechtigten: Die Lehrlingsentschädigung liegt unter der Mindestsicherung, zudem haben meist nur Hotels die Möglichkeit, den im Osten des Landes wohnenden Lehrlingen eine Unterkunft anzubieten. Eine finanzielle Unterstützung von der Familie, wie das bei Ausbildungen meistens notwendig ist, fehlt bei Flüchtlingen fast immer. Sie können sich die Lehre kaum leisten.

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Dokument erstellt am 2018-09-12 18:21:13



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