• vom 20.09.2018, 07:00 Uhr

Politik

Update: 20.09.2018, 12:48 Uhr

Sozialpartner

Schlagabtausch statt Kompromiss




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Von Martina Madner

  • Die Rolle der Sozialpartnerschaft ist im Wandel - nicht nur wegen der ÖVP-FPÖ-Regierung.

Wolfgang Katzian vor "seinen" Kollektivvertragsverhandlern. - © ÖGB/Sebastian Philip

Wolfgang Katzian vor "seinen" Kollektivvertragsverhandlern. © ÖGB/Sebastian Philip





Wien. Einen Freibrief für Streiks, eine Konferenz mit 900 Verhandlern der Gewerkschaft, eine Brandrede von ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian vor diesen - das ist heuer der Auftakt zu den Kollektivvertragsverhandlungen, die am 20. September starten. "Wir werden dieses Diktat zugunsten der Arbeitgeber ohne einen einzigen Punkt, der zu einer Verbesserung für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer führt, keinesfalls akzeptieren - jetzt wenden wir uns an die Besteller dieses Gesetzes", sagte er.

Und: "Wer so in den Wald hineinruft, der muss damit rechnen, dass der Ruf auch so zurückkommt." Die Gewerkschaften hätten die Stimmung "künstlich aufgepuscht", rief Arbeitgebervertreter Christian Knill, Obmann des Fachverbands Metalltechnische Industrie in der Wirtschaftskammer, bereits Tage davor hinein. "Wir sind nicht der Adressat für Kritik an der Regierung" und "die behaupteten Nachteile müssen erst bewiesen werden", sagte er zum Arbeitszeitgesetz.

Die Auseinandersetzung bei den Kollektivvertragsverhandlungen werden heuer vermutlich kaum Bruno Kreiskys "sublimiertem Klassenkampf am grünen Tisch" als einer weit weniger erhabenen Auseinandersetzung zweier sich weniger vertrauenden Parteien gleichen. Von "Partnerschaft" ist vor allem dann die Rede, wenn man dem Gegenüber vorwirft, sie zu verlassen. Ist damit der soziale Friede in Österreich in Gefahr, oder endlich Schluss mit unflexibler Politik? Eine Einschätzung, wie die Sozialpartnerschaft auf den Wirtschaftsstandort wirkt.

Partnerschaftlicher Dialog

Tatsächlich ist ein Arbeitskampf in Form von Streiks in Österreich eine Seltenheit. Eine Erhebung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der deutschen Hans-Böckler-Stiftung vom März dieses Jahres zeigt, dass in Dänemark seit 2007 auf 1000 Beschäftigte im Jahresdurchschnitt 118 Streiktage kommen, an denen nicht gearbeitet wurde. In Frankreich waren es 117, in Deutschland 16, in Österreich aber nur zwei. Das zeigt, dass Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretung bislang ihren Schlagabtausch bereits vor einer Eskalation von Konflikten mit Kompromissen lösen konnten.

Die Kompromissfindenden sind hierzulande außerdem stärker gesetzlich verankert als in anderen EU-Ländern. In der Verfassung heißt es: "Die Republik anerkennt die Rolle der Sozialpartner. Sie achtet deren Autonomie und fördert den sozialpartnerschaftlichen Dialog durch die Einrichtung von Selbstverwaltungskörpern." Auch die Pflichtmitgliedschaft in der Interessensvertretung ist gesetzlich verankert.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-09-19 15:48:16
Letzte Änderung am 2018-09-20 12:48:28



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