• vom 26.09.2018, 07:30 Uhr

Politik

Update: 26.09.2018, 09:45 Uhr

Neos

Beginn einer Reise mit kleinem Gepäck




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Von Walter Hämmerle und Brigitte Pechar

  • Matthias Strolz erklärt im Interview das Ende der Zweiten Republik und fordert: Österreich muss sich neu erfinden.

 Strolz könnte mit Strache – aber nicht mit der FPÖ. - © Wiener Zeitung/Moritz Ziegler

 Strolz könnte mit Strache – aber nicht mit der FPÖ. © Wiener Zeitung/Moritz Ziegler

Wien. Der Nationalrat hat am Mittwoch zwei Abgänge zu verzeichnen: ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian (61) und Neos-Gründer Matthias Strolz (45). Die SPÖ widmet Katzian, der sich künftig ganz seiner Aufgabe als Gewerkschaftschef widmen will, eine "Aktuelle Stunde", in der er über "eine faire Arbeitswelt und soziale Sicherheit" reden wird. Die "Wiener Zeitung" hat Strolz zum Abschiedsinterview getroffen.

"Wiener Zeitung": Braucht es Tabubrüche, um festgefahrene politische Konstellationen aufzubrechen? Zum Beispiel die Gründung einer neuen Partei oder die Forderung, dass ein Nicht-SPÖler Wiener Bürgermeister oder ein Nicht-ÖVPler niederösterreichischer Landeshauptmann wird.

Matthias Strolz: Solche Ideen sind essenziell und wir brauchen noch mehr davon, weil Österreich in einer Umbruchphase ist. Wir registrieren das nur nicht. Die Zweite Republik ist zu einem Ende gekommen, jedenfalls, wenn das rot-schwarze Machtkartell ihr Wesensmerkmal gewesen ist. Dieses Machtkartell hat Österreich etliche Jahrzehnte großartige Dienste geleistet, hatte freilich auch seine negativen Abrisskanten und hat sich dann mit Begleiterscheinungen wie Korruption, Freunderlwirtschaft und struktureller Verkrustung vollends überlebt. Österreich muss sich neu erfinden; dazu brauchen wir Musterbrüche. Schwarz-Blau ist ein solcher Musterbruch, aber eben keiner, den ich für gut halte.

Aber systemisch notwendig?

Offensichtlich. Im besten aller Fälle sind das nur Regressionshandlungen, die dem Neuen die Tür aufstoßen. Wenn das Alte stirbt, das Neue aber noch nicht da ist, gibt es viele, die nicht wissen, was das Neue sein könnte, deshalb führen sie den Regress auf das Uralte. Es grüßt die Freiheitliche Partei Österreichs. Das verstehen die Leute, da können sie anknüpfen: an den angebotenen Feindbildern, an Appelle von Law & Order, an die Lederhosen. Das Neue ist weder da, noch vollends berechenbar - deshalb ist das Uralte so attraktiv. Aber hoffentlich nur in der Rolle eines vorübergehenden Hofnarren.

Halten Sie die FPÖ zur inneren Erneuerung fähig?

Es ist nach wie vor schwierig für mich, die FPÖ zu verstehen, weil ich ihr innerstes Wesen noch nicht ganz begriffen habe - oder weil ich mich weigere, es zu akzeptieren. Die FPÖ hat ja schon unter Jörg Haider etwas Hippes gehabt, sie erfindet sich immer wieder neu. Dann kommen solche Manöver wie "wir wollen unsere Nazivergangenheit aufarbeiten", oder "unseren Antisemitismus" - als Staatsbürger ist man da hin und her gerissen: Meinen die das jetzt ernst? Manchmal ertappe ich mich dabei, dass ich es Heinz-Christian Strache wirklich abnehme. Als Person. Der Partei nehme ich das nicht ab. Aber man muss respektieren, dass sie einen starken Wählerzuspruch hat. Und es ist immer noch verhängnisvoll, dass wir keine neue kraftvolle Machtmechanik jenseits dieser FPÖ haben. Insofern wäre es aus Sicht des Landes wünschenswert, dass diese FPÖ die Schatten der Vergangenheit glaubhaft abwirft.

Livestream der Nationalratssitzung




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Dokument erstellt am 2018-09-25 18:33:23
Letzte Änderung am 2018-09-26 09:45:48



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