• vom 30.11.2012, 22:15 Uhr

Politik

Update: 30.11.2012, 22:20 Uhr

Bruno Kreisky

"Links saß ein Nazi, rechts auch"




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Sein Rücktritt aus der Regierung 1977 war für Veselsky das Resultat einer Intrige, die im Kabinett des damaligen Finanzministers Hannes Androsch ihren Ausgang genommen habe. Streitpunkt war die geplante Einführung einer Luxussteuer auf Autos, gegen die sich Androsch, der Jungstar dieser Regierung, aussprach. Ein klassischer Richtungsstreit über die Rolle des Staates.

Während einer Auslandsreise Kreiskys soll der Pressesprecher Androschs, Beppo Mauhart - für Veselsky der "böse Geist" -, dieses Detail Journalisten gesteckt haben. Die medialen Wogen gingen hoch. Kreisky wurde bei seiner Ankunft von dem Thema überrascht, es kam zum Bruch mit dem langjährigen Weggefährten. "Dabei hatte ich bereits eine Mehrheit in der Regierung für das Vorhaben", sogar der Kanzler sei dafür gewesen, so Veselsky im Rückblick. Die mediale Aufregung habe dann alles zunichte gemacht. Die nachfolgenden Jahrzehnte herrschte Eiszeit zwischen Androsch und Veselsky. Heute gesteht der Jubilar zu, dass der Finanzminister womöglich nichts von der Intrige seines Kabinetts wusste. In der Sache bleibt der Dissens, das gilt wohl auch für einen Gutteil seiner Partei.

Veselsky blieb nach seinem Abgang von der großen Bühne noch etliche Jahre in der Politik, wenngleich nur noch in der zweiten Reihe; zunächst bis 1986 als Nationalratsabgeordneter und dann zwei weitere Jahre als Bundesrat. Daneben lehrte der Jurist und Wirtschaftswissenschafter an der US-Universtiät Standford. Als Vorsitzender des Datenschutzbeirates (1980 bis 1995) warnte er vor der Einführung des sogenannten großen Lauschangriffs. Als seine Bedenken keine Früchte trugen, zog er die Konsequenzen und nahm seinen Hut.

Diesen Sonntag wird Veselsky, der erst kürzlich eine schwere Krankheit überstand, 80 Jahre alt. Er lebt mit seiner zweiten Frau in Velden am Wörthersee.

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Dokument erstellt am 2012-11-30 18:23:04
Letzte Änderung am 2012-11-30 22:20:50



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