• vom 24.04.2013, 16:53 Uhr

Politik

Update: 24.04.2013, 17:37 Uhr

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Von Bettina Figl

  • 60 Flüchtlinge im Servitenkloster befürchten Abschiebung und drohen mit Protesten - eine Reportage
  • Mit dem Auszug aus der Votivkirche verlor die Öffentlichkeit das Interesse.

"Wo wart ihr so lange?" fragt Khan Adalat (l.), hier mit zwei Kollegen im Servitenkloster. - © S. Jenis

"Wo wart ihr so lange?" fragt Khan Adalat (l.), hier mit zwei Kollegen im Servitenkloster. © S. Jenis

Wien. Ein knappes Dutzend Männer hockt am Boden, über ihnen flimmert grelles Neonlicht. Seit sie vor zwei Monaten aus der Votivkirche ausgezogen sind, leben die Flüchtlinge im Servitenkloster in Wien-Alsergrund. Die oberen Stockwerke wirken mit Spinden in den Gängen und kleinen Zimmern wie eine Mischung aus Gefängnis und desolatem Studentenwohnheim. Im Kellergewölbe sitzen die jungen Männer zwischen kaputten Feldbetten, hin und wieder tunkt einer von ihnen Fladenbrot in Hühner- oder Rindfleischeintopf. Der Hungerstreik, in dem sie sich vor einigen Wochen noch befanden, ist beendet und soll auch nicht wieder aufgenommen werden. Doch der Protest ist noch lange nicht vorbei, wie sie in einer Pressekonferenz am Mittwoch ankündigten.

Zur Erinnerung: Im November 2012 marschierten Flüchtlinge vom Erstaufnahmezentrum in Traiskirchen nach Wien, um gegen die Lebensbedingungen in den Flüchtlingsheimen zu protestieren. Ihre Kritik galt unter anderem den Dolmetschern, dem stark eingeschränkten Zugang zum Arbeitsmarkt für Asylwerber oder auch der mangelnden Bewegungsfreiheit. Vor der Votivkirche schlugen sie ihr Protestcamp auf. Kurz vor Jahreswechsel wurde das Camp von der Polizei geräumt, im Dezember suchten die Flüchtlinge Zuflucht in der Kirche, im März siedelten sie dann in das Kloster im Servitenviertel.


Das Interesse der Medien an der Protestbewegung war groß, selbst der Boulevard berichtete wohlgesinnt. Doch mit dem Umzug in das Kloster - ein weitläufiger Bau mit Innenhof, wo sie seither recht abgeschottet leben - riss die Berichterstattung abrupt ab. Für die Flüchtlinge ist das unverständlich, schließlich hat sich an ihrer Situation kaum etwas zum Positiven verändert, und auch die "Wiener Zeitung" wird gefragt: "Wo wart ihr so lange?"

27 negative Asylbescheide, Angst vor Abschiebungen
Mindestens 27 der Flüchtlinge weisen zwei negative Asylanträge vor, viele fürchten die Abschiebung und fordern den Abschiebestopp. Laut den Flüchtlingen sollen 25 Menschen nach Pakistan und Nigeria abgeschoben worden sein, für 625 Personen sollen die Behörden bei der pakistanischen Botschaft um Reisedokumente für Abschiebungen angesucht haben.

"Das sind Fantasiezahlen", entgegnet Karl-Heinz Grundböck. Der Sprecher des Innenministeriums betont, die Zahl der Abschiebungen nach Pakistan befinde sich im "einstelligen Bereich", es gebe "sehr viel mehr freiwillige Rückreisen". Abgeschoben werden können Pakistani und Afghanen auch nicht - aus ihren Heimatländern erhalten nur jene, die freiwillig zurückkehren, die notwendigen Zertifikate.

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Dokument erstellt am 2013-04-24 16:56:05
Letzte Änderung am 2013-04-24 17:37:42



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