• vom 16.09.2013, 18:22 Uhr

Politik

Update: 17.09.2013, 10:03 Uhr

Energiewende

Die Grenzen der Energiewende




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Wasser auf die Mühlen der Kraftwerksgegner sind die steigenden Preise für die neue Wasserkraft.

Wasser auf die Mühlen der Kraftwerksgegner sind die steigenden Preise für die neue Wasserkraft.© fotolia Wasser auf die Mühlen der Kraftwerksgegner sind die steigenden Preise für die neue Wasserkraft.© fotolia

Beispiel 2: Burgenland. Dank seiner rund 300 Windkraftanlagen erzeugt das Burgenland übers Jahr gerechnet bereits 100 Prozent des Stroms aus erneuerbarer Energie. "Beim Strom haben wir die Energiewende geschafft", sagt Landeshauptmann Hans Niessl zur "Wiener Zeitung". Selbst beim viel höheren Gesamt-Energieverbrauch des Burgenlandes will Niessl bis 2020 die Hälfte aus der Windkraft abdecken. Das Burgenland als "Wind-Dorado" für ganz Österreich? Eher nein. "In zwei Jahren ist der Ausbau der Windkraft wegen der Verbotszonen ausgereizt", sagt Niessl.

Also Biomasse? Beispiel 3: Der burgenländische Ort Güssing wird noch lange zitiert werden, um die Grenzen der Biomasse vor Augen zu führen. Nach dem Förderungen gekürzt wurden, ging das einstige Vorzeigeprojekt spektakulär Pleite.

Der Energieexperte Stefan Schleicher sieht das größte Potenzial in der Photovoltaik (Sonne). Da man die Solarpanele auf Dächer oder Fassaden von Wohnhäusern und Betriebsgebäuden montieren kann, seien dem Ausbau "keine Grenzen gesetzt". Die Grenzen liegen beim Preis. Solarenergie wird gefördert -und das treibt die Preise für alle Verbraucher. Hier sieht Schleicher das Licht am Ende des Fördertunnels: "Die Photovoltaik ist preislich sehr attraktiv geworden und kann ohne Förderungen auskommen." Grund sei unter anderem der Preiskampf zwischen Deutschland und China bei der Produktion von Panelen. "Wenn dieser Strom selbst verbraucht wird, ist er bereits billiger als zugekaufter Strom." Unternehmen würden sich bereits Photovoltaik-Anlagen ohne Förderung installieren. Teurer sei der Öko-Strom nur noch, wenn er ins Netz eingespeist wird. Dann dient der Großhandelspreis am Strommarkt als Referenz. Der beträgt ein Drittel des Verbraucherpreises. Aber auch Strom aus neuer Wasserkraft ist teurer als dieser aktuelle Marktpreis. Das ist aus Sicht Schleichers der Grund, warum Projekte wie das Mur-Kraftwerk derzeit nicht gebaut werden.

"Weltweit explodiert die Sonnenergie", sagt Schleicher. Das könnte zu weiter sinkenden Preisen führen. Doch ein Blick auf die Sonnenseite des Energiemixes in Österreich ernüchtert: Derzeit machen Wind und Sonne nur zwei Prozent der Erneuerbaren Energie aus, Ziel sind 11 Prozent bis 2030. Die Wasserkraft liegt derzeit bei 33 Prozent. Bei der Windkraft sieht Schleicher noch Potenzial außerhalb des Burgenlands, doch 2020 sei die Grenze erreicht. Dann werde die Energie aus Sonne die treibende Kraft spielen.

Die wahre Wende ist
die Wende im Kopf

Den wahren Schlüssel zur Energiewende sehen Schleicher und die Grüne Jungwirth weder im Wind, in der Sonne, der Biomasse oder der Wasserkraft. Für beide steht und fällt die Energiewende mit dem Energiesparen und der effizienteren Nutzung. "Es ist billiger, Energie einzusparen, als verzweifelt nach neuen Quellen zu suchen", sagt Schleicher. Auch die Deutschen hätten zu stark darauf gesetzt, wie sie Ersatz für die Atomkraft auftreiben können, anstatt Maßnahmen für Energiesparen zu setzen. Aus den Fehlern der deutschen Energiewende müsse man lernen. "Wenn wir von Energiewende sprechen, ist auch in Österreich daran zu denken, dass Energiewende nie nur das Aufkommen betreffen darf, sondern auch die effizientere Verwendung."

Jungwirth drängt darauf, den Verbrauch bis 2050 zwischen 30 und 50 Prozent zu reduzieren - durch die Sanierung bestehender Kraftwerke, sparsame Geräte im Haushalt, sanierte Gebäude und Fernwärme statt Strom.

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Schlagwörter

Energiewende, Ökostrom

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Dokument erstellt am 2013-09-16 18:26:04
Letzte Änderung am 2013-09-17 10:03:43



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