Paris/Wien. Die Brandkatastrophe in der Pariser Kathedrale Notre Dame, die weltweit für Schockwellen und Bestürzung sorgt, wirft Fragen auf. Etwa die, wie solche Brandkatastrophen im 21. Jahrhundert mit all seinen technischen Hilfsmitteln wie Überwachungsgeräten, ausgefeilten Brandschutzsystemen und dergleichen überhaupt möglich sind. Dass sie es sind, zeigte sich auch in Österreich, wo es in den letzten Jahrzehnten immer wieder zu Großbränden in historisch wertvollen Gebäuden kam.

So erinnern sich viele noch an das Feuer, das im November 1992 die Redoutensäle in der Hofburg komplett zerstörte. 2001 wurden die Sofiensäle, einer der beliebtesten Veranstaltungsorte Wiens, ein Raub der Flammen - Flämmarbeiten hatten das Feuer ausgelöst. 2009 wurde der Ursulinenhof in der Innenstadt von Linz durch ein Feuer schwer beschädigt. Es waren Schweißarbeiten, die den Dachstuhl in Brand setzten.

Wie verwundbar historische Bauten - insbesondere alte Kirchenbauten mit ihren Holzdachstühlen - sind, hat auch Johann Reißmeier zu spüren bekommen. "Vor etwas mehr als zehn Jahren haben wir im Salzburger Dom einen ganz ähnlichen Vorfall wie in der Kirche Notre Dame gehabt", sagt der Prälat, der als Domkustus für das Gebäude des Salzburger Doms zuständig ist. "Am Dachstuhl des Doms wurde gearbeitet, unter anderem auch mit einer Flex. Dabei kam es zu Funkenflug, und ein Brand brach aus", erzählt Reißmeier der "Wiener Zeitung".

Doch in Salzburg hatte man Glück: "Die Arbeiter waren, als das Feuer ausgebrochen ist, noch da. Sie haben den beginnenden Brand bemerkt und versucht, ihn mit Feuerlöschern zu löschen. Das ist zwar nicht gelungen, aber die Feuerwehr, die alarmiert wurde, war dann sehr schnell da", erinnert sich der Domkustus.

"In Paris ist das Feuer zu einer Zeit ausgebrochen, als keiner mehr gearbeitet hat. Keiner hat den Brand bemerkt. Und Brandmelder gibt es in den hohen Kirchenräumen nicht - ich habe in einer großen Kirche zumindest noch keine gesehen", sagt der Prälat, der zugleich Feuerwehrmann ist.

- © Marco Giudice
© Marco Giudice

Aber wäre es nicht doch möglich, auch alte historische Kirchenbauten, deren Dachgestühl aus Holzbalken besteht, mit modernen Methoden effektiv vor Brand zu schützen? Susanne Beseler ist da skeptisch. "Diese historischen Dachgestühle in Kirchen, das sind quasi riesige Wälder, das ist, salopp gesagt, gut abgelagertes Holz. Wenn es da zu einem Brand kommt, ist es wahnsinnig schwer, das Feuer aufzuhalten", sagt die renommierte Diplomrestauratorin, die im Vorstand des österreichischen Restauratorenverbandes sitzt, der "Wiener Zeitung". Auch Konservator Johannes Weber weist auf die Holzdachböden als Schwachpunkte hin. Das über die Jahrhunderte ausgetrocknete Holz "ergibt hochbrennbares Material. Um Brände am Dach zu verhindern, müsste man mittelalterliche Dachstühle ausbauen und neu konstruieren. Das wäre diametral gegen die Maxime der Denkmalpflege", erklärt Weber.

- © Marco Giudice
© Marco Giudice