Paris. Beim Wiederaufbau der durch den Großbrand schwer beschädigten Pariser Kathedrale Notre Dame könnte der bisherige Holzdachstuhl durch eine Version aus Metall ersetzt werden. Experten verwiesen auf ähnliche Maßnahmen bei anderen zerstörten Kirchengebäuden.

Manche könnten sich nur einen originalgetreuen Wiederaufbau der Kathedrale vorstellen, sagte der Londoner Architekt Francis Maude. Er war nach dem Brand im Schloss von Windsor in den 90er-Jahren an dessen Restaurierung beteiligt gewesen. Tatsächlich aber sei das nur eine von mehreren Möglichkeiten. Maude nannte als Beispiel die im Ersten Weltkrieg beschädigte Kathedrale von Reims. Sie hat seitdem ein feuerbeständiges Stahldach.

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Ähnlich sieht das auch der Kunsthistoriker Stephan Albrecht von der Universität Bamberg, zu dessen Forschungsschwerpunkten die Architektur von Notre Dame gehört. Er sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung", er könne sich nicht vorstellen, dass der Dachstuhl aus Holz nachgebaut werde. Die Baupläne aus dem 13. Jahrhundert seien nicht mehr verfügbar, es gebe nur "vage Zeichnungen".

Albrecht verwies auf den Stephansdom in Wien: Dessen hölzerner Dachstuhl war 1945 völlig abgebrannt und wurde durch eine Konstruktion aus Stahl ersetzt. "Das ist ein Riesenverlust, aber der Dachstuhl (von Notre Dame) wird nachher ein anderer sein", sagte der Kunsthistoriker.

Macron verspricht Wiederaufbau bis 2024 

Der französische Staatspräsident Emmanuel Macron will die schwer beschädigte Pariser Kathedrale Notre Dame innerhalb von fünf Jahren wiederaufbauen. Das Wahrzeichen solle dann noch schöner sein als vorher, sagte Macron in einer Fernsehansprache am Dienstagabend, 24 Stunden nach dem Brand. "Wir werden handeln. Und wir werden Erfolg haben", versicherte er.

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Spender sagten am Dienstag bereits Hunderte Millionen Euro für den Wiederaufbau der jahrhundertealten gotischen Kathedrale zu. Allein die drei französischen Milliardärsfamilien Arnault, Pinault und Bettencourt-Meyers wollen insgesamt eine halbe Milliarde Euro geben. Die Milliardärsfamilie Bettencourt-Meyers und der Kosmetikriese L'Oreal wollen 200 Millionen Euro geben, wie der Kosmetikkonzern am Dienstag mitteilte. Zuvor hatte die Familie von Unternehmer und Milliardär Bernard Arnault über dessen Luxusgüter-Konzern LVMH angekündigt, sich ebenfalls mit 200 Millionen Euro an der Rekonstruktion beteiligen zu wollen. Die Milliardärsfamilie Pinault hat 100 Millionen Euro versprochen.