Bei einer Massenpanik während der Übertragung des Champions-League-Endspiels sind in der italienischen Stadt Turin mehr als 1500 Menschen verletzt worden. Während des Public Viewing auf dem zentralen Platz San Carlo brach am Samstagabend kurz vor Ende der Partie Chaos aus, nachdem mehrere Feuerwerkskörper gezündet wurden, wie Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten.

Jemand habe gerufen, es sei eine Bombe explodiert. Die Zuschauer, die das Spiel ihres Vereins Juventus Turin gegen Real Madrid auf einer Großleinwand verfolgten, rannten in Panik davon und trampelten übereinander hinweg, viele wurden eingequetscht. Sieben Menschen wurden nach Angaben der Polizei schwer verletzt.

Zunächst hatten die Behörden von 200 Verletzten gesprochen. "Es war eine Nacht des Chaos und der Verletzten", hieß es bei Ansa. Viele seien im Gedränge gestürzt oder umgerissen worden. Die meisten seien leicht verletzt, vor allem mit Schnittwunden. Es gebe aber auch bis zu fünf Schwerverletzte. "Sie schrien und drängelten, es begann eine allgemeine wilde Flucht", beschrieben Augenzeugen die Szenen auf der Piazza. Bürgermeister Renato Saccone sagte Sonntag früh, dass Menschen immer noch nach Verwandten oder Bekannten suchten.

Der Polizeipräsident von Turin erklärte, möglicherweise habe ein Knaller die Panik ausgelöst. Die Turiner Zeitung La Stampa berichtete von umgefallenen Absperrungen. Zeugen hätten auch einen Knall gehört. In anderen Berichten hieß es, jemand habe einen schlechten Scherz gemacht und "Bombe" gerufen. Die Panik sei nach dem dritten Tor für Real Madrid ausgebrochen.

Auf dem Platz waren rund 30.000 Menschen, um das Spiel ihres Heimatclubs zu verfolgen. Juventus verlor gegen Madrid mit 1:4. Die Polizei war am Ort, um die Lage unter Kontrolle zu bringen. "Ich bin erschüttert, es erinnerte an die Katastrophe von Heysel", sagte ein Fan. Beim Finalspiel des Europapokals der Landesmeister am 29. Mai 1985 zwischen dem FC Liverpool und Juventus Turin im Heysel-Stadion waren in Brüssel 39 Menschen gestorben.

Keine Österreicher verletzt

Unter den über 1.500 Verletzten offenbar keine Österreicher. Das gab Thomas Schnöll, Sprecher des Außenministeriums am Sonntagabend bekannt. "Wir haben die Spitäler abgerufen und auch von den Behörden Rückmeldungen bekommen", erklärte Schnöll.