Berlin. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, erwartet ein Wiedererstarken des Marxismus und plädiert für eine Zähmung des globalen Kapitalismus, wie Kathpress am Samstag berichtet.

Der "Welt am Sonntag" sagte der Erzbischof von München und Freising: "Ich bin sicher, dass wir eine Renaissance des Marxismus erleben werden. Marx hatte in einigen Bereichen in der Analyse durchaus recht, etwa was er über die Akkumulation des Kapitals und den Warencharakter der Arbeit sagte."

Der Kapitalismus habe in den vergangenen Jahrzehnten viele negative Folgen gehabt und zu einem massiven Gefühl der Verbitterung geführt. "Wir haben diesen Prozessen - besonders nach der Wende 1989 - freien Lauf gelassen. Johannes Paul II. hat schon 1991 gesagt: Wenn der Kapitalismus nicht die Fragen der Gerechtigkeit löst, dann werden die alten Ideologien wiederkommen. Das gilt bis heute."

Marx betonte, es sei dringend notwendig, die Idee der sozialen Marktwirtschaft weltweit umzusetzen. Deutschland habe die soziale Marktwirtschaft nach 1945 eingeführt und große soziale Erfolge erzielt. "Nun geht es darum, ein vergleichbares globales Rahmenwerk zu schaffen und Institutionen, die dafür eintreten." Notwendig sei eine neue Verantwortlichkeit auf der internationalen Ebene. "Das ist sehr schwierig, aber dennoch nötig. Das Pariser Klimaabkommen war ein solcher Versuch."