Hamburg. Erdbeben bei der VW-Tochter Audi: Vorstandschef Rupert Stadler sitzt als erster Manager aus der obersten Führungsriege im Dieselskandal in Untersuchungshaft. Der 55-Jährige, der Audi seit 2007 führt, wurde am Montagvormittag zuhause in Ingolstadt festgenommen, wie die Münchner Staatsanwaltschaft mitteilte. Es bestehe Verdunkelungsgefahr.

Diesen Haftgrund führt die Justiz an, wenn sie befürchtet, dass Verdächtige Beweismittel vernichten oder Zeugen beeinflussen wollen. Stadler soll spätestens am Mittwoch vernommen werden, sagte ein Justizsprecher. In Ingolstadt und Wolfsburg schlug die Nachricht ein wie eine Bombe: Der Audi-Chef wurde nur wenige Stunden vor einer regulären Sitzung des VW-Aufsichtsrates verhaftet, bei der auch seine Zukunft Thema sein sollte.

Interimslösung

Die VW-Tochter will nach der Verhaftung von Stadler einem Zeitungsbericht zufolge noch am Montag einen neuen Vorstandschef benennen. Dieser solle die Marke mit den vier Ringen als Interimslösung führen, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" im Voraus. Der Vorstand müsse handlungsfähig bleiben, zitierte die Zeitung aus Unternehmenskreisen. Wer den Posten übernehmen solle, sei noch nicht bekannt.

Der Aufsichtsrat von Volkswagen will Stadler einem Bericht des "Handelsblatts" zufolge beurlauben. Vorläufig ersetzen solle ihn Audi-Vertriebschef Bram Schot, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Konzernkreise. Die Personalie solle noch am Montag durch die Aufsichtsräte von VW und der Tochter Audi beschlossen werden.

Vertriebsvorstand Schot sei der ideale Kandidat, zitierte die Zeitung aus den Konzernkreisen. Der Niederländer ist seit September vergangenen Jahres Vertriebsvorstand von Audi. In den kommenden Wochen solle die Nachfolge von Stadler endgültig geregelt werden, zitierte das Blatt aus dem Umfeld des Aufsichtsrates. Das Unternehmen äußerte sich vorerst nicht.

Erst vor einer Woche waren die Ermittler bei Stadler und einem weiteren Audi-Vorstand zuhause zur Razzia angerückt. Den beiden Spitzenmanagern wird unter anderem Betrug zur Last gelegt. Sie sind die ersten amtierenden Vorstände unter den Beschuldigten. Seither steht Stadler noch stärker im Feuer als in den vergangenen gut zweieinhalb Jahren seit Bekanntwerden der Abgasaffäre ohnehin. Dem Manager wird auch intern eine schleppende Aufarbeitung des Skandals vorgehalten, obwohl Audi als Keimzelle der Abgasschummeleien gilt. Stadler hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen. Sein Anwalt lehnte am Montag eine Stellungnahme ab.