Die Mordopfer. Ist der Auftrag geber nun gefunden? - © ap/Engler
Die Mordopfer. Ist der Auftrag geber nun gefunden? - © ap/Engler

Bratislava/Wien. (red) Im Mordfall um den slowakischen Investigativ-Journalisten Jan Kuciak und dessen Freundin kommt Licht ins Dunkel. Nachdem zuletzt vier verdächtige Personen im Süden der Slowakei festgenommen worden waren, soll jetzt auch der Drahtzieher des Mordes enttarnt worden sein: der slowakische Geschäftsmann Marian Kocner.

Einer der inhaftierten Verdächtigen soll einem Mitgefangenen gegenüber den Unternehmer als "Auftraggeber" genannt haben, berichtet die slowakische Zeitung "Dennik N".

Zuletzt hatte die Staatsanwaltschaft eine 44 Jahre alte Übersetzerin als die Auftraggeberin des Mordes geführt. Sie hatte allerdings keinerlei Konflikte mit dem Investigativ-Journalisten.

Was sie hat, sind hohe Schulden, außerdem arbeitete sie als Italienisch-Übersetzerin für Kocner. Dieser ist außerdem der Patenonkel ihrer Tochter. Die 44-Jährige war es dann auch, die die Identität des Geschäftsmanns preisgab.

Kocner bereits in Haft

Kocner selbst sitzt bereits als Verurteilter in Haft. Allerdings nicht im Zusammenhang mit dem Mord an Kuciak und dessen Freundin, sondern, weil er Wechselscheine in Höhe von 69 Millionen Euro gefälscht hat.

Kuciak hatte vor seinem Tod immer wieder über die halbseidenen und teils bewiesen illegalen Machenschaften des 55 Jahre alten Geschäftsmannes berichtet. Nach einem 2017 erschienen Artikel über einen ominösen Wohnungsverkauf von Kocner hatte dieser dem Journalisten am Telefon gedroht, er würde dafür sorgen, dass er nie wieder schreibe.

Kuciak und seine Verlobte Martina Kusnirova waren im Februar zu Hause in ihrem Dorf Velka Maca, 65 Kilometer östlich von Bratislava, erschossen worden. Der Reporter hatte u. a. zu Verbindungen zwischen der italienischen Mafia und der slowakischen Regierung recherchiert, sein unvollendeter Artikel dazu wurde erst nach seinem Tod veröffentlicht.

Der Mord an dem 27-jährigen Journalisten löste Massendemonstrationen gegen die Regierung aus und führte schließlich zum Rücktritt von Ministerpräsident Robert Fico. Der Sozialdemokrat führt allerdings immer noch die Smer-Partei.

Sollte sich herausstellen, dass die Regierung tatsächlich nichts mit dem Mord an Kuciak zu tun hat, sähe sich Fico voll rehabilitiert. Dass er wieder das Amt des Premiers übernimmt, scheint derzeit als wenig wahrscheinlich. Im Raum stehen allerdings vorgezogenen Neuwahlen. Die regelmäßigen Proteste gegen die grassierende Korruption im Land gehen unterdessen weiter. Auch die EU hat festgestellt, dass die politische Elite in der Slowakei fallweise unsauber agiert.