Tschechien feiert den 100. Geburtstag der Republik. Das Zepter des böhmischen Königs soll von Wien zurück nach Prag. - © afp/Zizek
Tschechien feiert den 100. Geburtstag der Republik. Das Zepter des böhmischen Königs soll von Wien zurück nach Prag. - © afp/Zizek

Wien/Prag. Nicht nur Österreich feiert den 100. Geburtstag seiner Republik, 1918 entstand auch die eigenständige Tschechoslowakei. In Prag wird des Ereignisses mit zahlreichen Events gedacht, gekrönt werden die Feiern mit einer großen Militärparade am 28. Oktober. Auf dem Hradschin ist die Ausstellung "Gegründet 1918" zu bewundern, gezeigt werden "Nationale Symbole", die "von äußerster Bedeutung für jeden unabhängigen Staat sind", wie es im Katalog heißt. Und: Die Ausstellung sei "ein Höhepunkt, wie es ihn nur ein Mal in hundert Jahren gibt".

Die allgemeine Feststimmung ist für den parteilosen Senator Ivo Valenta Anlass, die Herausgabe der böhmischen Reichskleinodien durch Österreich zu verlangen. Es handelt sich dabei um Zepter, Reichsapfel und Kurfürstenmantel. Die wertvollen Stücke befinden sich in der Schatzkammer in der Hofburg. Derzeit sind die Exponate im Kunsthistorischen Museum zu sehen, sie sind Teil der Ausstellung: "Privilegium Maius und seine Geschichte".

"Symbole der Staatlichkeit"


Valenta nimmt die Sache nicht auf die leichte Schulter. "Die Reichskleinodien sind bedeutende historische Erinnerungsgegenstände, die gleichzeitig Symbol der tschechischen Staatlichkeit sind. Deswegen gehören sie zurück in die Tschechische Republik", so der Senator vor Journalisten in Prag. Dabei stützt er sich auf ein Gutachten des Anwalts und früheren Parlamentsabgeordneten Zdenek Koudelka, der sich mit der Sache ebenfalls befasst. Er habe sich an den tschechischen Staatspräsidenten Milos Zeman gewandt, der die Sache prüfen lasse, so Valenta.

"Symbol tschechischer Staatlichkeit": Valenta fordert von Wien Zepter und Reichsapfel des böhmischen Königs zurück. - © czsenat
"Symbol tschechischer Staatlichkeit": Valenta fordert von Wien Zepter und Reichsapfel des böhmischen Königs zurück. - © czsenat

Auf dem Hradschin gibt es zwar bereits ein Zepter und einen Reichsapfel des böhmischen Königs. Dabei handelt es sich aber nicht um die ursprünglichen Kleinodien, sondern um spätere, die im Renaissance-Stil angefertigt wurden. Die älteren Stücke befinden sich im Besitz der Republik Österreich.

Das stört Valenta und Koudelka: Nach dem Ersten Weltkrieg hätten die Stücke aufgrund des Friedensvertrags von Saint-Germain rückerstattet werden können, allerdings sei das unterblieben, meinen sie.

"In Wien gut aufgehoben"


Der österreichische Historiker Karl Vocelka sieht im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" "keine Notwendigkeit, hier irgendetwas auszutauschen". Er hält die Chancen auf Erfolg aus tschechischer Sicht für gering. "Dann haben die Tschechen zwei Zepter und Reichsäpfel. Man sollte die Dinge dort lassen, wo sie sind. Dort sind sie gut aufgehoben." Wie er die Tschechische Republik kenne und wie die Erfahrung lehre, so Vocelka, würden die Insignien dort nicht öffentlich zu sehen sein, was in Wien sehr wohl der Fall sei. Die Wenzelskrone etwa werde nur anlässlich kurzfristiger Ausstellungen hergezeigt. "Wenn den Tschechen nationale Symbole so wichtig sind, dann sollte sie diese auch zugänglich machen", so Vocelka. Die Kleinodien seien aber die meiste Zeit "gut verschlossen". "Ich war selbst einmal dort, als die Wenzelskrone ausgestellt war. Die Schlange an Wartenden reichte den ganzen Hradschin hinunter bis zur U-Bahn-Station", so der Historiker. "Da ist man in der bitteren Kälte fünf Stunden gestanden."