Eierbecher. Die Nachfrage nach seinen Kreationen überstieg die Erwartungen bei weitem. Daher war der Apotheker Antoine Peychaud in New Orleans gezwungen, auf ungewöhnliche, dezente Schälchen zurückzugreifen. So kamen die Eierbecher ins Spiel. Fortan schenkte er seine alkoholhältige Medizin darin aus – und stand damit an der Wiege von zwei prägenden Errungenschaften aus der Welt alkoholischen Genusses: die American Bar und der Cocktail.

Wie kam es, dass ein aus Haiti stammender Apotheker Anfang des 18. Jahrhunderts in die Annalen der Mixgetränke und hochgeistiger Trinkkultur Eingang gefunden hat?

Die überraschenden Antworten finden wir in den USA Anfang der 1830er Jahre. Überraschend deswegen, weil die Anfänge modernen alkoholischen Hochgenusses von Hochprozentigem und die Lokalitäten der Ausschank im Gesundheitswesen und der Pharmazie zu verorten sind.

Flüssige Arzneien 

Bei eingehender Betrachtung erklärt sich die Entwicklung. "Alkohol hat für die Pharmazie eine große Bedeutung. Die meisten flüssigen Arzneien beinhalten in der einen oder anderen Form Alkohol", bringt es Heinz Kaiser, Barchef der Wiener Sky Bar, auf den Punkt. Der Barmann weiß, wovon er spricht. Neben seiner Arbeit als international anerkannter und vielfach ausgezeichneter Mixologe verweist er nicht nur auf ein abgeschlossenes Studium der Pharmazie, sondern auch auf lange Berufspraxis in der elterlichen Apotheke.

Zurück nach New Orleans. Damals wurden in der Stadt erbitterte Konkurrenzkämpfe ausgefochten: Welcher Apotheker hat den besten Magenbitter? Das Essen war schwer und Probleme mit dem Magen waren an der Tagesordnung. Ergo war das Geschäft mit den Bitters sehr lukrativ. Jeder Apotheker mischte seinen Magenbitter. Der von Mister Peychaud hatte am meisten Erfolg: Was einerseits an seiner Rezeptur lag, andererseits verfeinerte er seine Kreationen mit Cognac.
Die Mischung wurde in Eierbechern serviert. "Eierbecher heißt auf französisch ‚Coquetier‘. Es klingt plausibel, dass das Wort Cocktail davon abgeleitet wurde", gibt Heinz Kaiser Einblick in die Geschichte. Andere Drugstores kopierten Peychauds Kreationen. Ebenfalls mit Erfolg. Daraus entwickelte sich als Notlösung das architektonische Konzept einer Bar. Ein Zuviel der hochprozentigen Arzneien steigerte die Begehrlichkeit. Die Apotheken waren nicht für den Ansturm gerüstet und mussten Barrieren einbauen. Der Umbau begann mit der Theke und zwei Barren – einer auf Hüfthöhe und einer in Bodennähe. Einerseits Abgrenzung, andererseits konnte man sich an der oberen Stange anhalten und bei der unteren die Absätze der Stiefel einhaken. Der Anfang der weltweit kopierten Ausstattung einer Bar.