Die Mitglieder der "Steirischen Terroir- und Klassikweingüter" (STK) haben allesamt einen hohen Bekanntheitsgrad. Zu ihnen zählen die Inhaber der Weingüter Gross, Lackner-Tinnacher, Neumeister, Wolfgang Maitz, Polz, Erwin Sabathi, Hannes Sabathi, Sattlerhof, Tement, Winkler-Hermaden und seit kurzem auch Frauwallner und Wohlmuth.

Wie STK-Obmann Erwin Sabathi betont, handelt es sich bei der Gruppierung um einen politisch unabhängigen Verein, der sämtliche Ausgaben ohne Fördergelder bestreitet. Seit zehn Jahren bemüht sich der Verein um die Klassifizierung der steirischen Lagen. Mit der Definition von strengen Herkunfts- und Qualitätskriterien haben die STK-Winzer weinbaulich im Land viel weitergebracht. Dass mit der steirischen DAC, wie sie ab der Ernte 2018 vorgesehen ist, in Österreich "erstmals eine Herkunfts DAC und keine Sorten DAC" kommen soll, freut Erwin Sabathi ganz besonders, weil damit dem Vorbild von Frankreich, Italien und Spanien nun auch tatsächlich entsprochen werde. Insgesamt werden neun traditionelle steirische Rebsorten DAC-Status erlangen: Sauvignon Blanc, Weißburgunder, Morillon, Grauburgunder, Riesling, Gelber Muskateller, Traminer, Welschriesling sowie Cuvées daraus und (für die Weststeiermark) Schilcher. "Wir sind eine Werkstätte für den steirischen Wein", umreißt Erwin Sabathi das Wirken der STK-Gruppe. Mit der Qualifizierung der einzelnen Lagen als "Erste STK Rieden" und "Große STK Rieden" wird man sich wohl noch eine ganze Weile beschäftigen, die "Steirische Klassik" tritt demgegenüber in den Hintergrund, allenfalls solle diese aufgegeben werden, so Sabathi – die Diskussionen dazu dauern noch an. Erwin Sabathi: "Ziel ist es, dass wir mit der Ernte 2019 die Erste Ried und Große Ried im DAC verankern können." Erst dann sei die DAC-Frage in der Steiermark abgeschlossen.

Der subtile Riesling aus der Ried Dr. Wunsch ist ein neuer Premiumwein aus dem Weingut Wohlmuth. Frauwallners Gelber Muskateller aus der Ried Stradner Rosenberg ist ein mineralisch geprägter Sortenvertreter wie aus dem Bilderbuch.
Der subtile Riesling aus der Ried Dr. Wunsch ist ein neuer Premiumwein aus dem Weingut Wohlmuth. Frauwallners Gelber Muskateller aus der Ried Stradner Rosenberg ist ein mineralisch geprägter Sortenvertreter wie aus dem Bilderbuch.

Die Neuaufnahme des Weinguts Wohlmuth (Fresing im Sausal, Südsteiermark) zur STK-Gruppe ist ein logischer Schritt, zumal das Weingut von Experten schon seit geraumer Zeit zu den führenden steirischen Betrieben gezählt wird. Gerhard Wohlmuth (geb. 1955) hat das Weingut in den vergangenen Jahrzehnten aufgebaut, dessen Sohn Gerhard Wohlmuth (geb. 1981) hat in den vergangenen Jahren noch für weiteren Feinschliff gesorgt. Vor allem hat Letzterer dem Riesling in der Steiermark wieder zu einem vielbeachteten Höhenflug verholfen. Der Riesling hatte im südsteirischen Sausal ja schon historisch Geltung gehabt. Gerhard Wohlmuth hat den steirischen Riesling unter modernen weinbaulichen Bedingungen nun auf eine bislang unbekannte Qualitätsstufe gebracht. Bereits seit Jahren behauptet sich Wohlmuths Riesling aus der vom blauen, roten und schwarzen Schiefer geprägten Ried Edelschuh bei Bewerben angesehener Guides gleichauf mit den niederösterreichischen Top-Formaten auf den vordersten Plätzen. Seit kurzem hat Wohlmuth mit seinem Riesling aus der sehr kargen, mit rotem Quarzit-hältigem Schiefer angereicherten Steillage Dr. Wunsch noch einen zweiten Premium-Riesling im Portefeuille (Besprechung nebenstehend). Den wichtigsten Posten in Wohlmuths Sortiment stellen Weine der Sorte Sauvignon Blanc dar. Sowohl im Hinblick auf Sauvignon Blanc als auch bezüglich weiterer Rebsorten hat Gerhard Wohlmuth jun. in den vergangenen Jahren akribisch und auf Topniveau die Eigenarten der einzelnen Lagen herausgearbeitet.

Mit dem Weingut Frauwallner, das in den vergangenen 15 Jahren einen erheblichen Aufwärtstrend zu verzeichnen hatte, bekommen die beiden STK-Winzer Neumeister und Winkler-Hermaden, welche ebenso im steirischen Vulkanland angestammt sind, Gebietsverstärkung. "Der Herkunftsgedanke ist mir immer schon wichtig gewesen", sagt Walter Frauwallner, insofern freue er sich auf eine Zusammenarbeit in der Gruppe. "Die Bemühungen der STK zielen auch auf Langlebigkeit der Weine ab", so Frauwallner, was ihm persönlich ein großes Anliegen sei. Die Basalt-hältigen Böden wie auch die klimatisch günstigen pannonischen Einflüsse im Vulkanland sorgen für eine spezielle Ausprägung der Weine. Die Dynamik im Betrieb hat zuletzt dazu geführt, dass bei Frauwallners Weinen der Alkohol reduziert und der Holzeinfluss zurückgenommen wurde. "Der Alkohol soll die Weine nicht erschlagen", so Frauwallners Credo. Die globalen klimatischen Veränderungen seien in diesem Zusammenhang verstärkt zu berücksichtigen; insofern gelte es, in den Weingärten für mehr Beschattung der Trauben Sorge zu tragen. Zum Sortenspektrum zählen neben den angestammten Weißweinen (Sauvignon Blanc, Morillon, Gelber Muskateller, Weißburgunder, Grauburgunder und Welschriesling) auch Rotweine der Sorten Blauer Wildbacher und Zweigelt.

Print-Artikel erschienen am 23. November 2018
In: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 22–23