Die Hochzeitsmode setzt auf spektakuläre Roben und viel Spitze für die Damen - und Farbe für den Bräutigam.

Weiß und Königsblau - eine schöne Kombination. - © Samson/Hecapture
Weiß und Königsblau - eine schöne Kombination. - © Samson/Hecapture

Frauen, die heuer heiraten und sich an ihrem – hoffentlich – schönsten Tag im Leben wie eine Prinzessin fühlen und ein spektakuläres Hochzeitskleid tragen wollen, dürfen diesen Traum voll ausleben. Denn er ist absolut "en vogue". "Voluminöse Kleider mit üppigen Röcken sind zurzeit stark im Kommen", sagt Dorothée Michaud, Besitzerin des Pariser Brautmodengeschäftes "Bella Créations". Als "bohème" wird der Stil bezeichnet, der romantische oder Vintage-Elemente enthält. Und selbst wenn manche Kleider keinen ausgestellten Rock haben, ist eine lang den Körper herabfließende Silhouette gern gesehen. Dies erscheint als Kontrast zur geraden Linie oder der Trapez-Form, die in den vergangenen Jahren dominierte. Auch wurde 2018 zumeist auf Stickereien oder andere, allzu romantische Elemente verzichtet. Sie feiern in der Stadt der Liebe ihre Rückkehr. "Momentan sind Entwürfe besonders gefragt, die viel Spitze enthalten oder aus Musselin-Stoff sind. Die dominierende Farbe ist eher Elfenbein oder Creme statt strahlend reines Weiß", sagt Michaud, die die Pariser Mode nicht nur bei Prêt-à-Porter und Haute Couture, sondern auch bei Brautkleidern als Trendsetter sieht: Was in der französischen Metropole ankommt, verbreitet sich bald auch auf die anderen Regionen des Landes und über dessen Grenzen hinaus. Zwar ändern sich Trends bei der Hochzeitsmode weniger schnell, denn sie halten sich der Fachfrau zufolge zwei, drei Jahre lang. Allerdings beschleunigen die sozialen Netzwerke im Internet den Rhythmus erkennbar.
Neben den wallenden Prinzessinnen-Roben nimmt Dorothée Michaud als gegensätzlichen Trend jenen der kurzen Kleider wahr. Oft werden sie getragen, wenn es sich um eine zweite Eheschließung handelt, teilweise in Kombination mit farbigen Schuhen für einen originellen Touch. Beliebt sind sie auch bei Frauen mit auffälligen Tätowierungen, die nicht klassisch-konventionell auftreten wollen.
"Viele Bräute, die kirchlich wie auch standesamtlich heiraten, wählen außerdem für jede Gelegenheit ein anderes Outfit", sagt Gwenaelle Bizot, Designerin beim Pariser Brautmode-Haus "L‘Amusée", übersetzt "Die Erfreute". Zur zivilen Trauung kommt meist ein schlichteres oder kurzes Modell zur Geltung, bei der Eheschließung vor Gott darf es hingegen spektakulär zugehen. Das klassische Brautkleid, das auch nach Bizots Ansicht in dieser Saison voluminös und mit viel Spitze versehen ist, hat eher simple, teils geometrische Formen: "Das ist elegant und glamourös, ohne dass sich die Braut verkleidet fühlt." Stark im Kommen ist ein freier Rücken, den auch ein Spiel mit der Transparenz der Entwürfe zur Geltung bringen kann. Trendy sei sowohl eine tiefe Taille à la 20er Jahre wie auch die momentan sehr modische hohe Taille. Bizot verwendet bei ihren Kreationen lediglich naturbelassene Materialien, dabei viel Tüll und Musselin-Stoff.
Spektakuläre Braut-Roben bietet auch die Pariser Boutique "Couture nuptiale" an: Lange, schmal geschnittene Modelle sind mit einer kleinen Schleppe versehen, andere haben unter der betonten Taille einen weiten, glockenförmigen Rock. Dieser darf mit feiner Spitze oder Stickereien verziert sein. Den Trend zum freien Rücken für eine sexy Erscheinung der Braut bestätigt der Besitzer des Brautmodengeschäfts, Ilan Samama. "Der dominierende Ton ist Elfenbein oder Cremefarbe", sagt er. Samama nimmt unterschiedliche Trends für verschiedene Altersstufen wahr: Während junge Bräute gerne prinzessinnenhaft glamouröse Roben tragen, finden Frauen in reiferem Alter schmal geschnittene Entwürfe oder knielange Kleider passender.
Der Wunsch, an diesem einzigartigen Tag festlich-klassisch und doch zugleich individuell bekleidet zu sein, prägt auch die Herren-Hochzeitsmode. Diese stehe in direkter Verbindung mit gesellschaftlichen Entwicklungen, sagt Stéphan Ricard, Mitbegründer des auf Maßanzüge spezialisierten Bekleidungsgeschäfts "Samson", das acht Läden in Frankreich betreibt, davon vier in Paris: "Früher heiratete man für die Familie, während man heute eher eine Liebe zelebriert und dabei auch älter ist, eher zwischen 30 und 40", sagt er. "Die Eheleute wissen in diesem Alter genauer, wer sie sind und was sie wollen. Dank Internet-Blogs und der sozialen Netzwerke informieren sie sich meist genau im Voraus und kommen vielfach bereits mit ganz präzisen Ideen ins Geschäft."
Vor fünf oder sechs Jahren habe ein echter Wandel bei den Wünschen der Kunden eingesetzt. Die Entwicklung gehe weg vom klassischen Schwarz und hin zu einer vielfältigeren Farbpalette mit einem starken Trend zu Blau in allen Variationen: Von Himmel- über Marine- bis zu kräftigem Königsblau. So ist das am besten verkaufte Modell bei "Samson" ein schmal geschnittener Dreiteiler in strahlendem Entenblau mit eleganter Weste unter der Anzugjacke und kombiniert mit einer Fliege. "Seit zwei, drei Jahren ist die Fliege sehr stark im Trend, die chic ist, aber auch einen humorvollen Touch mit hineinbringt", erklärt Ricard. Dreiteiler seien außerdem beliebt, weil sie einzeln auch nach dem großen Ereignis erneut getragen werden können.
Während vor zehn Jahren oft als Kulisse Burgen oder spektakuläre Schlösser gewählt wurden, heiraten viele inzwischen lieber am Strand, auf einem Feld oder in einem alten Bauernhof. Dementsprechend wird die Hochzeitsmode lässiger, frischer, leichter: "Die Leute wollen sich nicht verkleiden." Manche Männer wählten zum Anzug sogar weiße Turnschuhe, um sich gänzlich von der einstigen, steifen Festlichkeit zu verabschieden. Bei den Stoffen werde weiterhin viel hochwertige Seidenwolle und etwas seltener Baumwolle verwendet, also Materialien, die wenig knittern und elegant aussehen.
Diese Tendenzen werden noch lange in bleiben, prophezeit Stéphan Ricard, denn sie passen zur heutigen Lebensweise. Bei der Herren-Hochzeitsmode gibt es nach der großen Begeisterung der letzten Saison für Blau allerdings eine neue Entwicklung: Grün ist im Kommen und zwar weniger als zarte Pastellfarbe, sondern in einer starken, strahlenden Variante. "Heute bestimmen Seiten wie Pinterest oder Instagram die neuen Trends", weiß Ricard. "Dort entsteht ein Schneeballeffekt und somit eine Nachfrage, der sich die Hersteller gar nicht entziehen können."
Johann Sebag vom Pariser Männermoden-Haus "Johann" sieht im Blau weiterhin noch die alles dominierende Farbe. "Nachdem der Trend mit dunklem Marineblau begann, entwickelt es sich hin zu immer intensiveren Tönen: Momentan haben wir ein sehr leuchtendes Königsblau." Dazu passen Accessoires in ebenfalls kräftigen Farben von Rosa über Orange bis zu Blumenmotiven der britischen Marke Liberty.
"Johann" hat eine breite Kollektion mit Hosen in lebendigen Farben von einem kräftigen Rot über Violett bis hin zu Froschgrün, die zu klassisch-eleganten Jacketts getragen werden. "Das gibt einen individuellen Touch und erlaubt, mit konventionellen Codes zu brechen." Es könne sogar vorkommen, dass ein Bräutigam für ein besonders lässiges Auftreten Jeans mit der Anzugjacke kombiniere.
Das klassische Schwarz ist derzeit relativ out, alternativ zu Blau kommen Bordeauxrot oder sogar Weiß. Auch seien elfenbein- oder silberfarbene Westen im Trend – stets abhängig vom Hautton des Bräutigams sowie vom Brautkleid, damit es sich nicht mit dem Anzug des Mannes beißt, sondern harmoniert – wie hoffentlich auch die Ehe.
Hinsichtlich der Stoffe sollten diese, angesichts der frühlingshaften oder sommerlichen Temperaturen, bei denen die meisten Hochzeiten stattfinden, nicht zu fest und warm sein und vor allem nicht knittern: Auch bei
Sebag bietet sich Seidenwolle besonders an. Nachdem in den vergangenen Jahren vor allem zum Abendanzug gegriffen wurde, ist nun der Smoking im Kommen, teilweise mit einem längeren Jackett oder einem Gehrock. "Viele arbeiten den ganzen Tag schon im Anzug und wünschen sich für ihre Hochzeit ein Outfit, das sich davon abhebt und weniger businessmäßig wirkt."