"Diese Farbe passt Ihnen aber gut!", sagt die Verkäuferin, aber Sie selbst sind sich da nicht so sicher? Vermutlich hat Ihr Bauchgefühl recht und Sie sollten darauf vertrauen, denn es wäre schade, wenn der neue Pullover dann im Kleiderkasten landet und nie getragen wird, weil Sie sich darin nicht wohl fühlen.

Dass Farben das Aussehen und die Ausstrahlung eines Menschen deutlich beeinflussen und sogar verändern können, ist unbestritten. Wieso das so ist und worauf es beruht, hat unter anderem der Schweizer Maler, Grafiker und Kunstpädagoge Johannes Itten (1888-1967) untersucht. Ausgehend von dem Schweizer Designlehrer Eugène Gilliard und den Farbuntersuchungen seines Lehrers Adolf Hölzel entwickelte er seine eigene Farblehre. In Ittens Farbkreis sind die Primärfarben Rot, Gelb und Blau sowie deren Komplementärfarben Orange, Grün und Violett enthalten. Durch verschiedene Mischverhältnisse untereinander entstehen weitere Farbtöne. Schwarz und Weiß kommen nicht vor. Jeder Farbe ordnet Itten verschiedenen Eigenschaften zu, so steht zum Beispiel Blau für Kälte oder Rot für Wärme.

Den Einfluss, den Farben aufeinander haben, beschrieb er in seiner Theorie "Die sieben Farbkontraste". Doch Itten ging noch weiter: Er ließ Studenten für seine Forschungen zum Zusammenhang von Form und Farbe ihre eigene individuelle Vorstellung von harmonischen Farben malen. Da er sich während dieser Aufgabe nicht im Raum befand und die Arbeiten auch nicht signiert waren, wusste er nicht, von wem welche Arbeit stammte. Doch er verglich die Blätter mit dem Aussehen, der Haut-, Augen- und Haarfarbe der Studenten und ordnete überraschend akkurat die Blätter den richtigen Studenten zu. Dieses Ergebnis führte zu weiteren Untersuchungen über die Auswirkung von Farben auf menschliche Gesichtszüge und Aussehen – die Farbtypenlehre war geboren und damit ein neuer Berufszweig, nämlich der des Farbberaters (der heute längst gemeinsame Sache mit dem Stilberater macht).

Unterteilung nach Jahreszeiten

Itten stellt fest, dass sich alle Menschen aufgrund ihres Hauttons sowie ihrer Augen- und Haarfarbe zwei Hauptgruppen und vier verschiedenen Typen zuordnen lassen: Die Hauttontypen werden in kalt- oder warmtonig unterschieden, die Typen nach den vier Jahreszeiten in Frühling-, Sommer-, Herbst- und Wintertyp.