In manchen Wochen wird der Weißensee zur Holland-Kolonie, nicht nur im Jänner, zum 11-Städte-Rennen, sondern auch in den "Krokus-Ferien" im Februar. Da träumen sich die Niederländer ihre einst vereisten Grachten nach Kärnten. Dann okkupieren sie – recht friedlich, laut und fröhlich – den See und die Umgebung und flitzen dahin auf dem "schwarzen Eis". Mit (fast) allem zufrieden, Hauptsache, das Eis spiegelt. Schnee gibt es da wie dort nicht mehr allzu viel – aber was anderen Wintersportorten Sorgen macht, sieht man hier gelassen, denn diese Urlaubsgegend setzt seit vielen Jahren auf vielfältige Winterunternehmungen, ergänzt durch ein wenig Skifahren.

Und nicht umgekehrt, wie in den meisten Winterdestinationen Österreichs.
Wie es dazu kam, dass die Holländer den Weißensee entdeckten, war eben Product Placement vom Feinsten: 1987 raste James Bond (damals Timothy Dalton) mit fescher Blondine in seinem Aston Martin im, mit und durch ein Bootshaus direkt auf den Weißensee, tanzte dort seine Autopirouetten, ließ seine Verfolger im ausgesägten (dank scharfem Q-Autozubehör) Wasserloch versinken und präsentierte auch sonst die Landschaft rundum verschneit und romantisch. Diese sechs Minuten Film ließen vor 31 Jahren zwei Holländer bei Norbert Jank anklopfen, der bei den wochenlangen Dreharbeiten als Organisator und "Eismeister" für Statisten, Feldküchen und Sicherheit auf dem Eis zuständig gewesen war.

Bis zu 50 Zentimeter dick zugefroren

Davor war bis auf ein paar Kutschenfahrten durchs Tal, die Jank anbot, nicht viel los zur kalten Jahreszeit in dem Sommerfrische-Tal. 1968 wurde hier immerhin der erste Doppelsessellift in Kärnten auf die Naggler Alm gebaut, aber der war auch eher für Sommergäste interessant: Die Pisten reichen zwar für Slalomtraining und gemütliches Perfektionieren, herausfordernde Abwechslung sind sie keine. Man rutschte halt ein wenig auf dem zuverlässig dicken Eis herum und freute sich an der frischen Luft. Die Fischer weniger, die sich beklagten, in dem fischreichen See nur so kurz im Jahr angeln zu können, denn wenn anderswo noch lange gefischt werden konnte, war der See hier schnell und lange zugefroren. Er liegt schließlich auf 930 Metern Höhe, die Beckenlage verhindert isolierenden Nebel, klare, kalte Nächte fördern die Eisbildung: Über der Seeoberfläche ist es oft um fünf Grad kälter als in den Dörfern am See, die nur 15 Meter höher liegen.