Der malerische Wallfahrtsort Rocamadour. - © Cochise Ory
Der malerische Wallfahrtsort Rocamadour. - © Cochise Ory

"Das muss man sich einmal vorstellen: Uns trennt eine ebenso lange Zeitspanne von den Höhlenmalern von Lascaux wie diese von Chauvet", sagt Sébastien Gayet vom Tourismusbüro Pont d’Arc Ardèche. Tatsächlich: Die Bilder von Lascaux, der wohl berühmtesten prähistorischen Fundstelle ihrer Art, werden grosso modo auf 18.000 Jahre geschätzt, jene der Chauvet-Höhle auf 36.000 Jahre. Der Speläologe, sprich Höhlenforscher, Jean-Marie Chauvet hat sie erst 1994 in der Ardèche-Schlucht, nahe der Kleinstadt Vallon-Pont-d’Arc, entdeckt. Ihr Eingang war vor etwa 21.500 Jahren verschüttet worden.

Es waren Menschen unserer Gattung, welche die Gewölbe bemalten, wenn sie auch in recht anderen Verhältnissen lebten: Das Europa jener Zeit war eine Steppenlandschaft, die Bewaldung setzte erst im Zuge der Klimaerwärmung vor etwa 12.000 Jahren ein. Was auch erklärt, weshalb in der Chauvet-Höhle nicht nur Auerochsen, Bisons, Mammuts, Pferde oder Höhlenbären dargestellt sind, sondern auch Arten wie (mähnenlose) Löwen, Wollhaarrhinozerosse und Schneepanther. (In der jüngeren Lascaux-Höhle finden sich keine Illustrationen von Löwen, Rhinozerossen und Mammuts, die hatten sich damals bereits weiter nach Nordosten aufgemacht.) Die Menschen kamen übrigens nur zum Zeichnen in diese und andere Höhlen des Ardèche-Kalksteinmassivs, lebten aber nicht darin: Die Gewölbe waren von Winterschlaf haltenden Höhlenbären okkupiert, die ungemütlich werden konnten, wenn man sie störte.

Aus Sorge um den Bestand der etwa 1000 Darstellungen ist die originale Chauvet-Höhle – ebenso wie jene von Lascaux – für die Öffentlichkeit geschlossen. Die in der Nähe gelegene Caverne du Pont d’Arc, die vor zwei Jahren eröffnet wurde, bildet die Szenerie originalgetreu, jedoch in kleinerem Maßstab, nach. Im angeschlossenen Museum wird die Lebenswelt der Menschen in der jungsteinzeitlichen Aurignacien-Periode, also zwischen 40.000 bis 28.000 vor Christus, nachgebildet, einschließlich Modellen von Bären, Löwen und Panthern, die deutlich größer waren als jene unserer Zeit. Mammuts konnten sogar bis zu vier Meter groß werden. Die Menschen, die in kleinen Gruppen von 25 bis 30 Mitgliedern lebten, hatten gegen diese Kolosse keinen leichten Stand, profilierten sich aber, wie nachgestellte Szenen zeigen, als bewaffnete hinterhältige Jäger. "Wir haben im Umkreis der Ardèche rund dreißig Höhlen mit Malereien, die aber nicht zu besichtigen sind", ergänzt Sébastien Gayet. "Chauvet ist aber ohnehin bei Weitem die sensationellste und, mit einer Fläche von über 8000 Quadratmetern, auch die größte."