Das Metier der Nase oder des Parfümeurs, das lange Zeit noch Handwerkskunst im kleinen Stil war, hat in der französischen Parfümindustrie schon immer eine große Rolle gespielt. Bis 1960 lag der Marktanteil Frankreichs in Sachen Parfüm noch bei 70 Prozent der Weltproduktion, heute liegt er nur mehr bei etwa 25 Prozent. Der Sektor ist dynamisch – jährlich kommen weltweit durchschnittlich mehr als 400 neue Parfüms auf den Markt. Berühmte Nasen sind heute Jean Claude Ellena (Hermès-Parfums), Mathilde Laurent (Cartier) oder das eingespielte Tandem Camille Goutal und Isabelle Doyen (Goutal).
Beim Treffen mit den beiden in ihrem Atelier in einem typischen Pariser Innenhof eines eleganten bürgerlichen Wohnhauses im 17. Arrondissement bekommt man einen kleinen Einblick, wie komplex das Metier wirklich ist. "Allein der Rosengeruch setzt sich aus rund 350 Duftnoten zusammen, insgesamt gibt es 1500 verschiedene Grundgerüche. Dass man mit Düften Erinnerungen verbindet, liegt daran, dass sie prinzipiell zuerst immer in den Teil des Gehirns gelangen, wo Emotionen hervorgerufen werden", erklärt Isabelle Doyen, die heute neben ihrer langjährigen Tätigkeit als Nase für Goutal an der renommierten Isipca in Versailles unterrichtet. Ein Parfüm zu entwickeln, ist eine naturwissenschaftliche Tüftelei für Ästheten, die Trends genauso schnell aufspüren können wie gelungene Mischungen. Zwei Jahre dauert die theoretische Ausbildung zum Parfümeur, in denen die angehenden Nasen nicht nur die Rohstoffpalette kennenlernen sollen, sondern auch ihre chemischen Eigenschaften und welche Stoffe vermixt welches Ergebnis erzeugen. "Dabei beginnen wir mit dem Zusammenfügen zweier Stoffe zu einem einfachen Akkord", so Isabelle Doyen weiter, "ein fertiger Duft kann dann aber aus mehreren hundert Komponenten bestehen."

"Animalisch bis blumig"

Traumberuf Parfümeur? Illusionen wolle sie keine erwecken, das Metier der Nase ist mit Steinen gepflastert. Die Realität ist Lichtjahre von Romantik und Rosendüften entfernt: "Die Konkurrenz ist groß und interessante Jobs in der Branche heute Mangelware."
"Um es gleich vorweg zu nehmen," so Camille Goutal, "es reicht heute nicht aus, einen ausgezeichneten Geruchssinn zu besitzen. Um ein guter Parfümeur zu werden, muss man üben, sehr viel üben, ein bisschen wie in der klassischen Musik. Die langjährige Berufserfahrung ist primordial, die Nase dann nur mehr das ultimative Kontrollwerkzeug. Zehn Jahre sind mindestens notwendig, um ein ausgebildeter Parfümeur zu werden, schon allein zwei Jahre sind im Durchschnitt notwendig, um einen Duft zu entwickeln. Eine gewisse Neugierde ist genauso Grundvoraussetzung wie eine gehörige Portion an Geduld. Die diversen Mischungen müssen sich setzen, wir kommen dann im Laufe der Zeit immer wieder darauf zurück. Es wird dosiert und wieder und wieder neu dosiert", erklärt Camille Goutal.