Reihe um Reihe stehen sie da in den Regalen der Buchhandlung, mit ansprechenden Titeln und attraktiven Menschen mit ausnehmend gut trainierten Körpern auf dem Cover. Die sind meist gerade in irgendeiner Fitnessübung erstarrt und lächeln trotzdem – na, wenn man da keinen Gusto bekommt, sich gleich in medias res zu stürzen, um in einigen Wochen auch beim 100. Liegestütz immer noch zu grinsen… Und weil einige Titel Verlockendes wie etwa den Traumkörper in nur vier Wochen versprechen oder man nur fünf Minuten Training täglich investieren muss, wirft man hoffnungsvoll einen Blick hinein. Denn selbst wenn man sich höchstpersönlich eher zum Club der Unsportlichen zählt oder schon lange nichts mehr für seine Fitness getan hat, träumen darf man ja wohl noch… Soll man sich also so ein Fitnessbuch, egal ob es darin um Training mit dem eigenen Körpergewicht, Yoga, Pilates oder ähnliches geht, kaufen? Und bleibt es beim Hineinschauen, eifrigen Kopfnicken und dem Vorsatz, die im Buch gezeigten Übungen zu Hause brav auszuführen (genau nach Anleitung natürlich) – oder startet man tatsächlich aktiv in ein neues Körpergefühl?
Eine kleine, natürlich nicht repräsentative Umfrage im sportlichen Freundes- und Bekanntenkreis hat jedenfalls eine Richtung ergeben: "Ob ich ein Fitnessbuch daheim habe? Was meinst du denn damit?" "Na ein Buch über Yoga oder Bodyweight-Training oder… " Ein Buch worüber?" "Training mit dem eigenen Körpergewicht…" "Ach so, nein, so eines habe ich nicht, aber ein Buch über Pilates." "Aha, und trainierst du zu Hause danach?" "Um ehrlich zu sein, nein. Mir fehlt da irgendwie die Motivation, und es ist leichter, wenn ich jemandem zuschauen und gleichzeitig mitmachen kann. Aber ich habe es durchgeblättert und fand es sehr ansprechend." Ein Freund meinte: "Also ich habe da ein sehr lässiges Buch, da geht’s irgendwie um Krafttraining, aber ohne Geräte. Aber ich mag Geräte, daher gehe ich ins Fitnessstudio. Aber auch nicht regelmäßig." "Und warum trainierst du zuhause nicht einfach zusätzlich nach dem Buch, um noch mehr aus deinem Körper herauszuholen?" "Da fehlt mir irgendwie der Ansporn, ich tue mir leichter, wenn ich andere um mich herum habe, die sich auch plagen, und da kann man auch ein bisschen vergleichen, wie weit man schon ist."
So oder so ähnlich waren auch die Aussagen der anderen – und sie sind durchaus nachvollziehbar. Auffallend war, dass nicht einer befürchtet hatte, etwas falsch zu machen, wenn da keiner ist, der korrigieren könnte. Denn ein Buch redet ja bekanntlich nicht…
Was das Buch nicht schafft, funktioniert allerdings – zumindest im Regelfall – mit einer DVD: "Da habe ich jemand, der das vormacht, außerdem laufen alle Übungen in einem durch. Im Buch müsste ich dauernd umblättern, was den Ablauf natürlich stört. Und auch die Musik, die da oft im Hintergrund läuft, macht Laune."
Korrigierend eingreifen kann der Vorzeigende auf dem Bildschirm allerdings auch nicht. Aber immerhin scheint die Motivation mit einer DVD größer zu sein, den inneren Schweinehund zu überwinden und daheim vor dem Fernseher etwas für seinen Körper zu tun. (Die meisten dieser DVDs zeigen übrigens Yoga- oder Pilates-Übungen, für die man im allgemeinen nur bequeme Kleidung, eine Matte und ein bisschen Platz braucht.) Und wie sieht das bei einem Profi aus? "Ich lese natürlich Fitness-Bücher, allerdings eher aus sportwissenschaftlicher Sicht. Und ich trainiere selbst zuhause auch nicht nach einem Buch, sondern ohne Buch im Studio. Aber man kann sich oft Tipps für die Zusammenstellung von Übungen holen oder findet sogar gelegentlich eine neue", sagt Michael Bürger, Sportwissenschafter, Trainingstherapeut und Crossfit-Trainer in der Crosszone in Wien, im Gespräch mit dem "Wiener Journal". Die Gefahr, sich beim Hometraining nach Buchanleitung zu verletzen, sieht er eher gering: "Im Allgemeinen sind die in Bücher gezeigten Übungen nicht übermäßig kompliziert. Was aber natürlich nicht heißt, dass man sich nicht trotzdem wehtun kann. Aber beim falschen Heben von Getränkekisten passiert viel mehr. Wenn man nach einer verletzungsbedingten Pause oder nach vielen Jahren ohne Sport wieder anfangen möchte zu trainieren, ist es jedoch empfehlenswert, sich einige Stunden mit einem Personal Trainer zu gönnen, der den Trainingsplan genau nach dem körperlichen Ist-Zustand ausrichtet und darauf achtet, dass alle Übungen korrekt ausgeführt werden. Später kann man dann ja allein weitermachen." Auch für ihn ist das Training daheim nach einem Buch meist eher eine Frage der Motivation: "Es gehört sehr viel Disziplin dazu, allein daheim zu trainieren. Da muss man sich schon sehr gut motivieren können, um regelmäßig ein intensives Training im Wohnzimmer durchzuziehen."
Aber vermutlich gibt es auch dafür ein eigenes Buch. Das muss man dann nur lesen und internalisieren…