Louis-Géraud Castor präsentiert seine Blumensträuße und blühenden Zweige in einer ehemaligen zweistöckigen Galerie im Maraisviertel wie Kunstwerke: Kein Wunder, der Blumenhändler kommt aus der Kunstbranche und ist ein sogenannter Quereinsteiger. "Meine Bekannte Francine Grünwald, Enkelin des Wiener Kunsthändlers Karl Grünwald, hat mich sicherlich inspiriert: Sie verschenkt Blumen prinzipiell nie ohne die dazupassende Vase. Deshalb findet man bei mir auch nur Vasen aus dem Atelier von Jean Roger, die sich meinen Blumenkreationen perfekt anpassen", so der ehemalige Kunsthändler zu seinen sensiblen Arrangements. Ohne Blumenstrauß am Küchen- oder Wohnzimmertisch, und bitte schön wild und ungezähmt, als hätte man sie gerade abgepflückt, geht zur Zeit an der Seine gar nichts mehr. Neu und sehr gefragt zur Zeit: die bunt-wilden Blumensträuße von Pampa, die via Mausklick erhältlich sind. Und das gleich in drei Grössen: "Sweet" (22 Euro), "Regular" oder XXL "Faboulous". Geliefert wird mit dem Fahrrad.
Masami Charlotte Lavault hat vier Jahre an der Angewandten in Wien Industriedesign studiert. Der Designerszene hat sie längst den Rücken gekehrt, sich das nötige Know-how über biodynamischen Anbau auf Bauernhöfen in Marokko und Wales geholt. Heute zählt sie in Paris europaweit zu den Initiatorinnen und Gallionsfiguren der neuen Slow-Flower-Bewegung. Ihr rosa Logo ist eine Hommage an das "Prückel", ihr Lieblingscafé aus ihrer Studienzeit in Wien, als sie noch auf der Angewandten die Schulbank drückte. "Ich bin ja eigentlich ein Stadtmensch, brauche aber die Einsamkeit. Da eignet sich natürlich Paris, das kulturelle Angebot ist vielfältig, die Stadt inspiriert auf Schritt und Tritt. Und mit Pflanzen ist man ja immer in guter Gesellschaft und nie allein."
Einen Steinwurf von der Pariser Métrostation Télégraph entfernt, bewirtschaftet die Franko-Japanerin nun schon die zweite Saison eine kleine Wiese, versteckt hinter einer gut versperrten grünen Metalltür. Gleich dahinter befindet sich ein Friedhof, daneben ein Wasserturm und ein Gemeindebau. Ihr Projekt soll auf 1200 Quadratmetern frischen Wind in die Floristenszene bringen: Alle Blumen stammen zu 100 Prozent aus Pariser Anbau, ohne Pestizide versteht sich. Konkurrenz mit dem internationalen Blumenmarkt sieht sie keine. "Ich bin der Bio-Feinkostladen, die anderen der Supermarkt." Sie beliefert ihre Kunden nur mit dem Fahrrad, unter anderem "Tomfleurs" am Canal Saint Martin oder das Blumencafé "Désiréefleurs" im 11. Arrondissement, ein paar Straßen weiter. Hier kann man sich nicht nur seinen Blumenstrauß abholen, sondern im angrenzenden Café zu Mittag essen, am Wochenende brunchen oder einfach zu jeder Tageszeit einen Café Crème mit oder ohne Tarte aux Pommes genießen. "Alle Blumen, die wir verkaufen, kommen zu 100 Prozent aus französischem Anbau", so Mathilde Bignon, die Besitzerin des neuen Blumencafés, "aus Paris, der Bretagne, aber auch aus dem südfranzösischen Var." Green Factory bietet einzigartige Pflanzenkompositionen an, die von Noam Levy in seiner Pariser Werkstatt liebevoll zusammengestellt werden. Jedes Terrarium besteht aus einem Miniaturbaum, der über eine eigene kleine Welt in einem Glas wacht: ein Ökosystem, das sich (abgesehen von einigen wenigen Gießvorgängen pro Jahr) so gut wie von selbst entfaltet. Dank der Fotosynthese, des Wasserkreislaufs und einer geschlossenen, transparenten Umgebung können sich diese Werke ganz alleine entwickeln.
"Ich wollte aktiv dazu beizutragen, das (oft zu stickige) städtische Leben durch eine Begrünung des Lebensraums und der Arbeitsumgebung wieder ins Gleichgewicht zu bringen, ohne dass dafür großartige Fachkenntnisse notwendig sind", so Noam Levy. "Für unsere autonomen Terrarien haben wir zu Beginn viel herumexperimentiert, bevor wir unsere Pflanzenwelten unter Glas zum Verkauf anbieten konnten. Wir wollten von Anfang an fast selbstversorgende Ökosysteme schaffen." "More flowers less Drama", lautet auch die Devise bei Bloomon aus Amsterdam. Das niederländische Startup, das bald auch in Wien via Mausklick mit dem Fahrrad seine Kunden beliefern wird, bietet nur Sträuße mit saisonalen Blumen und Pflanzen an. Im neuen Conceptstore-Coiffeur "What the flower" im Bastilleviertel (Pariser Osten) verstecken sich die Trockenhauben hinter Grünpflanzen. Hier kann man sich eine Frisur verpassen lassen und/oder Kakteen und Gummibäume einkaufen. Entschleunigen, relaxen, entspannen – während die Haarfarbe (auf Pflanzenbasis) langsam wirken kann. Wer dann noch immer Inspirationen zum Urban Gardening sucht, kann sich eine der wunderschönen Porzellankreationen der Künstlerin Antonella Fadda Haffaf ins Wohnzimmerregal stellen. Ihre weißen oder schwarzen, sehr poetischen Blüten sind ideal für alle, die keinen grünen Daumen besitzen.