Da draußen, im Garten, steht eine Rose. Das ist nichts Besonderes, könnte man meinen. Unschuldig steht sie in der Frühlingssonne, lässt sich huldvoll gießen und sammelt ihre Kräfte. Blühen wird sie dann erst im Sommer.
Aber auch wenn die Rose da draußen noch so unschuldig in die Sonne blinzelt, sollte man sich nicht täuschen lassen. Rosen gehören zu den ältesten Pflanzen, die der Mensch kultiviert hat, und bewohnen diesen Planeten mit Sicherheit länger als der Homo Sapiens. Seit knapp 150.000 Jahren treibt sich das Geschöpf, das wir heute als Menschen ansehen, auf der Erde herum. Das wären anders ausgedrückt 0,15 Millionen Jahre. Und die Rosen? Die soll es, wie manche behaupten, schon seit 65 Millionen Jahren geben. Das mag Spekulation sein, Faktum aber ist, dass die älteste heute bekannte Rose vor 35 Millionen Jahre geblüht hat.
Ziemlich in der Mitte der USA liegt der Bundesstaat Colorado. Dort befindet sich am Fuß der Rocky Mountains die Stadt Colorado Springs. Ganz in der Nähe, im Teller County, gibt es eine lange bekannte Fundstelle zahlreicher Fossilien aus dem Oligozän, einem 33 Millionen Jahre zurückliegenden Abschnitt der Erdgeschichte. Und dort fand im Jahr 1883 der Schweizer Paläontologe Leo Lesquereux die älteste heute bekannte Versteinerung einer Rose. Er nannte sie "Rosa hilliae" woraus später "Hill’s Rose" wurde, also die "Rose vom Hügel". Heute kann dieser Fund auf 35 Millionen Jahre datiert werden und stellt somit die älteste bekannte Rose dar.
Fest scheint außerdem zu stehen, dass Rosen zu den ersten Pflanzen gehören, mit denen sich der Mensch abgab. Vor ungefähr 10.000 Jahren begannen die Vorfahren der heutigen Menschen Pflanzen zu domestizieren und damit sesshaft zu werden. Bereits zu jener Zeit, die man auch die neolithische Revolution nennt, waren Rosen anwesend, anfangs vermutlich zu dem einfachen Zweck, die mühsam angelegten Felder mit Hecken vor tierischen Konkurrenten zu schützen, die sich ebenfalls gerne an den Früchten der Feldarbeit bedient hätten.
Aber mit der Entwicklung der Zivilisation waren Rosen sehr bald nicht mehr einfach zweckmäßig. Schon in grauer Frühzeit verkörperten sie den Luxus. Die ältesten Aufzeichnungen zu diesem Punkt sind mehr als viertausend Jahre alt und beziehen sich auf König Sargon, der zwischen 2356 und 2300 vor unserer Zeitrechnung im Staat Akkad herrschte, einem der ältesten Staaten der Menschheit, der sich auf einem Terrain erstreckte, das sich heute Syrien, der Irak und der Iran teilen. Auf Tontafeln aus jener Zeit ist in Keilschrift festgehalten, dass König Sargon von einem seiner Feldzüge an den Tigris wertvolle Dinge mitgebracht habe: Rosen, Weinreben und Feigen.