In der jüngeren Weinbaugeschichte haben sich heimische Winzer im reinsortigen Weißweinsektor vor allem mit dem Grünen Veltliner und dem Riesling, aber auch mit Spezialitäten wie Rotgipfler, Zierfandler und Roter Veltliner sowie mit Sauvignon Blanc einen ausgezeichneten Ruf erworben. Es ist dem engagierten Wirken der WienWein-Gruppe zu verdanken, dass im Weinland Österreich mit dem Gemischten Satz unter den Weißweinen ein weiteres Image-Gewächs vorhanden ist.

Im Jahr 2006 wurde die WienWein-Gruppe gegründet. Sogleich traten deren Akteure fokussiert für eine Aufwertung des Gemischten Satzes, eines Produkts der alten bäuerlichen Wirtschaftsweise, ein. Im Wesentlichen kann dieser damit umrissen werden, dass mehrere Rebsorten im Weingarten zusammen ausgepflanzt sind und auch gemeinsam geerntet werden. Obwohl in Wiener Rieden auch herrliche Rieslinge und Grüne Veltliner heranreifen, ist es den WienWein-Winzern gelungen, ihre Wiener Gemischten Sätze gleichauf mit diesen Edelgewächsen zu positionieren. Seit 2011 gilt für den Wiener Gemischten Satz eine Weinbezeichnungsverordnung, womit die Qualitätsbemühungen auch legistisch abgesichert sind. Die WienWein-Winzer haben aber auch weiterhin unermüdlich an der Qualitätsschraube gedreht: Seit dem Jahrgang 2017 ist der Wiener Gemischte Satz in die "Erste Lagen"-Klassifizierung einbezogen.

Was den Jahrgang 2018 anlangt, ist WienWein-Präsident Fritz Wieninger voller Euphorie. Dieser sei in Wien sowohl im Weißweinsegment als auch im Rotweinsegment hervorragend ausgefallen. Obwohl es 2018 etliche Male richtige Hitzeschübe gegeben hat, sei der Jahrgang nicht in unerwünschter Weise hitzegeprägt. Dazu Wieninger: "2018 ist zwar heiß gewesen, aber es hat immer wieder Regen gegeben, der die Reben hat weiter leben lassen."

Die am 2. April im Wiener Konzerthaus präsentierten "Wiener Gemischter Satz"-Gewächse aus Ersten Lagen stammen allesamt aus dem Jahrgang 2017. Es gilt nämlich für diese Edelformate, um deren optimale Reifung zu gewährleisten, eine verzögerte Markteinführung. Obwohl der Wiener Gemischte Satz im Jahrgang 2017 die Hitze stärker zu spüren bekommen hatte als im Jahr 2018, sei die Qualität keineswegs beeinträchtigt, so Wieninger, zumal die im Sortenmix vertretenen Rebsorten Riesling und Welschriesling für gute Säure und Vitalität sorgen. Der bislang stark unterbewertete Welschriesing werde in diesem Zusammenhang künftig eine zunehmend wichtige Rolle spielen. Im Falle des Wiener Gemischten Satzes fungiere der Welschriesling in warmen Jahren als wunderbarer Säurebringer, wobei er im Bukett vornehm zurückhaltend sei und den Eigencharakter der anderen Sorten keineswegs überlagere.

Print-Artikel erschienen am 22. März 2019
In: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 22–23