Es mag rund 15 Jahre her sein, als ich den Zaussenberger Winzer Josef Fritz bei einem seiner Auftritte in der Niederösterreich Vinothek "Vinoe" in Wien-Josefstadt kennenlernte. Obwohl es an dem Abend eigentlich um seine eigenen Weine ging, erläuterte er bei dieser Gelegenheit in aller Ausführlichkeit die Vorzüge der Gewächse eines Weinmachers aus dem südlichen Weinviertel. Als er auf das Potenzial des Gewürztraminers aus dem Weingut Roland Minkowitsch in Mannersdorf an der March zu sprechen kam, geriet Josef Fritz regelrecht ins Schwärmen. Das machte Eindruck, denn üblicherweise ist man es von Weinbauern gewohnt, dass sie sich und ihre Weine loben.

Josef Fritz ist selbst für eine österreichische Gebietsspezialität bekannt: Der Rote Veltliner, der vor allem am Wagram angestammt ist, wird in seinen Rieden gehegt und gepflegt wie kaum woanders. Gleich fünf Weine dieser Sorte hat Fritz im aktuellen Sortiment. Er bedient damit alle Qualitätssegmente, angefangen mit dem preisgünstigen 2018er Roten Veltliner Wagram Terrassen, einem stoffigen Edelklassiker (7,50 Euro), bis hin zum gediegenen Premiumwein Roter Veltliner Ried Steinberg Privat, ein fein ziseliertes, mineralisch geprägtes und zugleich tiefgründiges Tröpfchen mit perfektem Säurespiel und großartigem Nachhall (18 Euro).

Das alte Gemäuer wurde behutsam restauriert und verschönert. - © Andreas Jakwerth
Das alte Gemäuer wurde behutsam restauriert und verschönert. - © Andreas Jakwerth

Vor drei Jahren hat der Meister des Roten Veltliners in unmittelbarer Nachbarschaft seines Weinbaubetriebs ein altes Bauernanwesen gekauft und behutsam – mit Lehmputz und reichlicher Holzimplementierung – renoviert und verschönert. Im alten Gemäuer untergebracht ist nun ein feines Restaurant, das Josef Kellner, ein 26-jähriger Koch, der zuletzt im Lungauer Dreihaubenlokal "Mesnerhaus" gewerkt hat, als Pächter betreibt. Der aus dem Tullnerfeld stammende Küchenchef erfüllte sich damit den Traum, in heimatlichen Gefilden sein eigenes Gastronomiekonzept umzusetzen.

Die Bezeichnung "Josefs Himmelreich" ist vielsagend. Er spielt auf die gleichnamige, ganz in der Nähe befindliche Weinriede an wie auch auf die Tatsache, dass mit dem Weinsortiment von Josef Fritz, das im Lokal in seiner vollen Bandbreite offeriert wird, ein starker vinophiler Bezug vorhanden ist. Weinkultur wird übrigens auch in der Weise zelebriert, dass sämtliche Tröpfchen in hochedlen Zalto-Gläsern ausgeschenkt werden. Freilich evoziert der Lokalname auch schlaraffische Vorstellungen, die mit dem Essen verbunden sind.

Das Restaurantkonzept ist ganz auf Saisonalität und Nachhaltigkeit abgestimmt. Die in der Küche benötigten Produkte werden, wo immer es geht, von regionalen Partnern bezogen, das Gemüse bauen der Küchenchef und seine aus dem Lungau stammende Lebensgefährtin Jasmin Wieland in dem zum Anwesen gehörenden Garten und auf einem weiteren Acker selber an. Im Restaurant gibt es keine typische Speisekarte, vielmehr wählen die Gäste Menüs in vier, fünf oder sechs Gängen aus (50/61/72 Euro), wobei Vorausreservierung empfohlen sei. Auf Sonderwünsche wie auch auf etwaige Unverträglichkeiten wird bei den Vorausgesprächen selbstredend eingegangen.

Ein gemeinsam mit Viktor Siegl (der "Wiener Zeitung"-Lesern als Edelfeder von den herbstlichen Weinbeilagen her bekannt sein wird) eingenommenes Mahl in "Josefs Himmelreich" war überzeugend. Fisch und Fleisch wird edel dargeboten; es ist spürbar, dass hier erstklassige Grundprodukte in Verwendung sind, die in puristischer Weise zubereitet werden, um deren guten Eigengeschmack zu bewahren. Das reichlich servierte Gemüse in seinen vielfältigen Varietäten lässt Reminiszenzen an ländliche "Zuspeisen", wie sie früher von kochkünstlerisch begnadeten Hausfrauen aufgetischt wurden, aufkommen. Der Unterschied ist nur, dass die Zuspeisenküche des Josef Kellner viel subtiler umgesetzt ist, als das anno dazumal der Fall gewesen ist. Was im übrigen auch auf die Machart der herrlichen Erdäpfelcremesuppe zugetroffen hat.

Die beiden Stüberl sind heimelig und zugleich gediegen eingerichtet, in der milden Jahreszeit steht im Streckhof ein beschatteter Gastgarten zur Verfügung. Mit dem 27 Positionen umfassenden Weinsortiment von Josef Fritz wird in vinophiler Hinsicht das Hauptkontingent gestellt, darüber hinaus findet sich noch das eine oder andere Tröpfchen von befreundeten österreichischen Winzern auf der Weinkarte des Lokals.

Nachdem wir die erlesenen Roten Veltliner schon eingangs kommentiert haben, sei aus dem Weinangebot von Josef Fritz noch der 2016er Grüne Veltliner Ried Mordthal Große Reserve ganz besonders herausgestellt, ein hochedler Sortenvertreter, der österreichweit keinen Vergleich zu scheuen braucht: Seine Vielschichtigkeit im Bukett offenbart sich durch Anklänge nach Marille, Pfirsich und Ringlotten, auch Blütenhonigeinsprengsel treten hinzu, er ist dicht, reichhaltig, durch und durch ausgewogen, er präsentiert sich zugleich gediegen, gravitätisch, spannungsgeladen und vergnüglich (18 Euro). Für Inhaber von schmäleren Geldbörseln hält Josef Fritz den saftigen, trinkfreudigen 2018er Grünen Veltliner Klassik bereit – absolut empfehlenswert (5 Euro).

Print-Artikel erschienen am 29. März 2019
In: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 22–23