Kunststoffe haben einen schlechten Ruf. Wenn man in letzter Zeit darüber liest, geht es meist um das verschmutzte Meer und die belastete Umwelt. Und ja, natürlich darf man diese Faktoren weder ausblenden noch vergessen. Aber auf der anderen Seite sind diese Werkstoffe aus dem Leben gar nicht mehr wegzudenken. Zahlreiche Innovationen machen Produkte erst realisierbar. Und eine große Triebfeder für die Entwicklungen im Bereich der Kunststoffe ist, den eigenen schlechten Ruf zu beenden, die Umwelt zu schützen und den hausgemachten Schaden an der Natur wieder auszugleichen. Klingt seltsam, ist aber so.

So ist das steigende Bewusstsein für die weltweite Verschmutzung durch Einwegverpackungen – Plastiksackerl und Plastikflaschen, nicht nur, aber besonders, zu einer echten Triebfeder innovativer Ideen geworden. Wie kann man aus dem Plastikmüll, der ja auch eine Menge Ressourcen und Energie verbraucht hat, etwas Sinnvolles machen?

Schon seit geraumer Zeit ist der Begriff "Upcycling" ein geläufiger. Dies meint, dass aus ausrangierten Dingen wieder neue Produkte gemacht werden. Taschen aus LKW-Planen, Schwimmwesten oder alten Feuerwehrschläuchen sind schon seit Jahren am Markt erhältlich. Schmuck aus Plastik und Computerteilen ist ebenso keine unbekannte Errungenschaft. Große Modeketten wiederum starteten vor gar nicht allzu langer Zeit mit Kleidung aus recycelten Plastikflaschen oder auch aus Plastikmüll aus dem Meer. Das Wort "nachwachsender Rohstoff" scheint in diesem Fall zwar nicht korrekt, aber an Nachschub herrscht dennoch kein Mangel.

"Plastikflaschen" sollen Umweltgifte ausfiltern

Die Wissenschafter Hai Minh Duong und Nhan Phan-Thien von der National University of Singapore präsentierten vor einigen Monaten ein Verfahren, das es ermöglicht, aus PET-Flaschen ein so genanntes "Aerogel" herzustellen. Bei Aerogelen handelt es sich um hochporöse Festkörper, bei denen bis zu 99,98  Prozent des Volumens aus Poren bestehen. Diese Struktur ermöglicht den Einsatz des Materials in unterschiedlichsten Bereichen. So können speziell präparierte Aerogele als Filter für kleinste Staubpartikel oder zur Absorbierung von ausgelaufenem Öl verwendet werden. In den 1960er-Jahren wurden Aerogele – allerdings aufwendiger und nicht aus Plastikflaschen hergestellt, auf ihre Tauglichkeit als Speichermedien für flüssigen Raketentreibstoff hin untersucht. Aufgrund der geringen Wärmeleitfähigkeit eignen sie sich als Dämmstoffe für Spezialanwendungen, etwa in Feuerwehrschutzanzügen, da auch eine Hitzebeständigkeit bis zu 620 Grad Celsius gegeben ist und das bei einer deutlichen Reduktion des Gewichts der Anzüge. Aber auch eine vorzügliche akustische Dämmung wird dem Werkstoff bescheinigt.