Wie haben eigentlich die Alchemistenküchen ausgesehen? Manche Museen haben welche nachgebaut. In der Regel sieht das dann in der historischen Genauigkeit vergleichbar einem Römerlager bei Asterix und Obelix aus. Und dass niemand etwas gegen den Zeichner Uderzo sagt – der war besser informiert als manch ein Historiker. Diese nachgebauten Alchemistenküchen sind überraschend sauber, auf hölzernen Regalen stehen wohlgeordnet absonderlich geformte Glasgefäße, griffbereit hängen eine Waage und Messgeräte, an eine Wand ist ein Tisch gerückt, darauf mehrere Mörser, in der Mitte des Raums Kupferkessel, offene und geschlossene, um darin Materialien zu kochen, in der Hoffnung, es würde doch noch Gold daraus werden. Der Alchemist, dessen Küche so aussieht, muss wohl ein Systematiker gewesen sein, ein Vorläufer heutiger Chemiker und Apotheker, mehr an den Stoffen und ihren Vermischungen interessiert als an der Verwandlung von unedlem Metall in edles.

Auf einem Holzschnitt aus dem 16. Jahrhundert sieht die Alchemistenküche ganz anders aus. Dem Betrachter bietet sich ein Chaos. Die Becher, Messer, Zangen, Hämmer und Blasebälge liegen wirr durcheinander mit anderen Gerätschaften, deren Funktion man kaum erahnen kann. Irgendetwas kocht der Gehilfe des Alchemisten in einem kleinen Topf auf dem Feuer und verursacht Rauchschwaden. Der Meister sieht zu, er wirkt überfordert, vielleicht fragt er sich gerade, ob er nicht doch besser Sattler hätte werden sollen oder Hufschmied. Wenn hier etwas Anderes verwandelt wird als Blei zu Blei, hat der Zufall seine Hände im Spiel.

Dennoch wird es wohl in einer Alchemistenküche gewesen sein, die einer der beiden Vorstellungen entspricht, dass gewissermaßen doch Blei in Gold verwandelt wurde – oder genauer gesagt: Käse in Kunststoff. Die Chemie weiß fürwahr absonderliche Wege.

Geschirr und Schmuck

Es hat tatsächlich etwas von Alchemie. Da sitzt, ja, wirklich, ausgerechnet ein Mönch, nämlich der Augsburger Benediktinerpater Wolfgang Seidel, im Jahr 1531 vor einem Töpfchen Magerkäse und kocht es aus. Vielleicht hat Seidel ja gedacht: Mal sehen, ob man mit Magerkäse nicht doch etwas Besseres anstellen kann, als ihn zu essen.

Aber jetzt kommt’s: Die Idee zu dem Ganzen hat Seidel wirklich von einem waschechten Alchemisten gehabt, nämlich von Bartholomäus Schobinger. Der hat entdeckt, dass aus Magerkäse, wenn man ihn mehrfach erhitzt und wieder abgekühlt, ein fester Stoff entsteht. Schobinger war ein Kaufmann und Baumeister aus St. Gallen. Wer hat’s erfunden? – Die Schweizer. Und die Mönche haben das Geschäft gemacht.