Grund genug für einen kreativen Streifzug durch die engen und verwinkelten Gassen. Um den Puls der Stadt zu fühlen, sollte man seine Entdeckungstour im Herzen der Stadt, am Vieux Port, sprich alten Hafen, beginnen. Der Fischmarkt ist in vollem Gange, die Frauen der Fischer bieten die fangfrische Ware an, die Luft duftet nach Salz… Danach kann es weitergehen, vorbei am Platz Les Arcenaulx, wo die beiden Schwestern Jeanne und Simone Laffitte residieren. Sie betreiben in diesem belebten Fußgängerviertel hinter dem Hafen nicht nur eine gutbestückte Buchhandlung und einen Verlag mit Kunstbüchern, sondern auch ein stimmungsvolles Restaurant, wo man zwischen edlen, in Leder eingebundenen Büchern dinieren kann. Très charmant! (25, Cours d’Estienne d’Orves.)

Am Südufer des Vieux Port wurden 1660 unter Ludwig XIV. zahlreiche neue Straßen angelegt, es entstanden elegante Stadtvillen mit verstecketen Innenhöfen und Gärten. "La Criée", der ehemalige Fischmarkt, konnte seine Originalfassade bewahren. Hier werden heute längst keine Fische mehr verkauft, sondern Theaterstücke und Konzerte aufgeführt: Seit 1981 ist hier das Nationaltheater untergebracht. In Marseille ist die ganze Welt Bühne.
Ein paar Straßen weiter stößt man auf "L’Empereur" – eine Institution, in der die Zeit stehengeblieben zu sein scheint. Ein Rundgang durch diese Boutique mit eigenem Café, die seit Generationen von ein und derselben Familie geführt wird, lohnt sich immer. Man findet in diesem Geschäft mit Museumscharakter nicht nur wunderschöne Bettwäsche, Holzspielzeug, Geschirrtücher und Geschirr, sondern auch Körbe, Backformen, Bürsten, Lichtschalter und Kerzen – sprich alles, was ein perfekter Haushalt so braucht. Eine Institution, die man unter Denkmalschutz stellen sollte! (4, rue des Récolettes.) Neu ist das hauseigene B&B von Empereur. Die Wohnung liegt im ersten Stock genau über dem Laden, der heute in der ganzen Region als unumgängliche Anlaufstelle für den perfekten Haushalt gilt. WLAN und TV-Gerät gibt es nicht, dafür stilvolles Retrofeeling. Die ideale Adresse für Nostalgiker. ("L’arriere boutique", 4, rue de récollettes.)

Das leuchtende Mittelmeer und nach Orangen duftende Kekse

Gutes Schuhwerk braucht man in Marseille überall, es geht oft bergauf und bergab. Die steile Rue Saint hinauf, bis zur nächsten Etappe: Auf Nummer 136 wird man dafür mit köstlichen, nach Orangenblüten duftenden Keksen, den "Navettes", entschädigt, die seit 200 Jahren in dieser Bäckerei namens "Le four des Navettes" aus dem Backofen gezaubert werden. Das Rezept ist natürlich streng geheim. Belohnt wird man dann auch gleich mit einem Panoramablick auf den Hafen und das Viertel Euromediterranée – die größte urbane Erneuerungsmaßnahme Südeuropas auf mehr als 480 Hektar, wo in der Ferne das "Mucem" leuchtet, Frankreichs erstes Museum für das Mittelmeer mit seiner einzigartigen Architektur zwischen Moderne und Kulturerbe. Nicht nur für Architekturfans ein Muss.