Wer etwa toskanische Weine meidet, weil er sie als zu uniform und üppig in Erinnerung behält, sollte den biodynamisch produzierten 2016er Chianti Classico aus dem kleinen, noch wenig bekannten Weingut Montesecondo von Silvio Messana probieren. Das traditionell (im allerpositivsten Sinne altvaterisch) geschulte Gewächs lässt die Sangiovese-Typizität gut erkennen, wobei das hellfruchtig geprägte Bukett mit Kirsch- und Heidelbeeranklängen überaus einladend wirkt. Der mit Hirn und Empfindsamkeit bereitete Wein hat einen straffen, ausgesprochen vitalen und erfrischenden Charakter, seine tanninbetonte Anlage ist punktgenau abgestimmt, er wirkt in keiner Phase überladen, der Abgang ist anhaltend und zugleich höchst vergnüglich. Messanas Rebstöcke werden nicht am "modernen" Drahtrahmen gezogen, sondern stehen – wie früher allgemein üblich – nach dem Alberello-System als Einzelbäumchen im Weingarten. Sein Chianti Classico ist ein Musterbeispiel für die Philosophie Messanas: Unangekränkelt von modernen stilistischen Strömungen, besteht der Wein aus den seit Jahrhunderten toskana-typischen Sorten Sangiovese, Canaiolo und Colorino. Der Winzer verzichtet auf die sonst beliebte Beimengung von internationalen Sorten wie Cabernet Sauvignon oder Merlot. Die Trauben stammen vorwiegend von alten Weinstöcken, der Wein reift teils in großen Holzfässern, teils in Betontanks.

Silvio Messana, ein spätberufener Weinmacher, war in seinem früheren Berufsleben Saxophonist und Jazz-Musiker. Man vermeint in diesem Wein die Feinsinnigkeit des Künstlers zu verspüren. Messana fragt nicht: "Welche Art von Wein wollen die Kunden haben?", sondern er fragt: "Welche Art von Wein will mir der Boden geben?" Dank an den – stets findigen – Laakirchener Weinhändler Wagner, der diese subtile wie auch preiswerte Kreszenz nun vor den Vorhang gebracht hat!

Print-Artikel erschienen am 5. April 2019
In: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 22–23