Wiener Journal: Frau Hofmann, was kann man tun, wenn man mit der eigenen Stimme nicht glücklich ist?

Gunda Hofmann: Oft kommen Menschen zu mir, die ihre Stimme zu hoch oder zu tief finden. Ihnen würde eine andere Stimmlage besser gefallen, aber ich finde es absolut nicht ratsam, seine eigene Stimmlage zu verändern. Abgesehen davon ist dies auf Dauer nicht möglich. Was man sehr wohl tun kann, ist, die eigene Stimme zum Klingen zu bringen.

Welche Methoden gibt es dafür?

Hier gibt es viele verschiedene Möglichkeiten. Der Akt des Sprechens ist ja ein sehr komplexer Vorgang. Der Einstieg in das Stimm- und Sprachtraining ist die Atmung. Sie ist die Basis des Sprechens und die Stütze der Stimme. Es gibt diverse Atemübungen, die darauf abzielen, die Muskulatur, die beim Sprechen beansprucht wird, in Wohlspannung zu bringen. Weder Über- noch Unterspannung ist für das Sprechen günstig. Unser Atem gibt auch unseren Sprechrhythmus vor.

Welche Übungen gibt es noch, um die Kapazität der eigenen Stimme besser auszuschöpfen?

Zum Beispiel Resonanz-übungen. Mir ist es ein ganz großes Anliegen, dass die Menschen zu ihrer persönlichen Stimme finden, weil nur dann die Sprache authentisch wird. Manche Menschen sprechen tatsächlich zu hoch oder zu tief, also nicht in ihrer Stimmlage.

Wie stellt man fest, ob ein Mensch in seiner optimalen Stimmlage spricht?

Jeder Mensch verfügt über einen bestimmten Grundton, der mit folgender Übung leicht zu eruieren ist. Man legt die Handflächen auf die Brust, denkt an ein leckeres Essen und sagt Mmmmmh. Auch mit einem langgezogenen "Nnnnnnnh" kann man die eigene Stimmlage sehr gut finden. Das ist der persönliche Grundton, also jener Klangbereich, in dem man unangestrengt spricht. Die Sprachmelodie ergibt sich dann aus den einzelnen Wörtern und Sätzen und variiert dann ein bisschen in der Höhe und in der Tiefe.

Mit dieser Stimmlage sollte man sich also anfreunden.

Ja. Ich persönlich mag die Einmaligkeit der menschlichen Stimme. Für mich ist jede Stimme schön, sofern sie persönlich klingt. Man möchte gar nicht für möglich halten, wie viele Nuancen in der eigenen Stimme stecken, wenn man beginnt, sich gezielt mit ihr zu befassen. Ein wichtiges Thema ist auch die Stimmführung. Ob jemand monoton oder lebhaft spricht, hat viel mit den Spannungsverhältnissen im Körper zu tun, natürlich auch mit emotionalen Faktoren.