Als 2008 die Vereinten Nationen den 8. Juni künftig als Welttag der Ozeane ausriefen, taten sie das nicht ohne triftigen Grund: Die seit Jahren herrschende Bedrohung der Weltmeere durch Verschmutzung, Überfischung und Klimawandel hatte derart bedrohliche Ausmaße angenommen, dass dies auch der breiten Öffentlichkeit dringlich vor Augen geführt werden sollte: Die entscheidende Rolle der Meere im Kohlenstoff- und Wasserkreislauf der Erde sowie für die Nahrungsversorgung ist heute gefährdeter denn je. Ganz zu schweigen von den katastrophalen Auswirkungen auf das Leben in den Ozeanen…

Überfischung und Beifang

Menschen auf der ganzen Welt lieben Fische und Meeresfrüchte auf ihren Tellern – und für viele ist es oft die einzige Proteinquelle. Die steigende Nachfrage hat jedoch eine verhängnisvolle Wende für Mensch und Tier mit sich gebracht: Die Fischer werden verdrängt, statt ihren kleinen Booten sind riesige Trawler mit ebenso riesigen Netzen auf den Meeren unterwegs, um Fischfang in bisher nie gekanntem Ausmaß zu betreiben. Dank moderner Technik können Fischschwärme schnell geortet und gefangen werden. Doch die industriellen Fischereiflotten haben längst die ökologischen Grenzen der Ozeane gesprengt, denn seit langem wird vielerorts mehr Fisch entnommen als die Natur nachliefern kann.

Laut den aktuellen Zahlen der FAO (Food and Agriculture Organisation of the United Nations; Welternährungsorganisation) lag 2016 die weltweite Produktion von Fisch aus Fischerei und Aquakultur bei 171 Millionen Tonnen. Von den 90,9 Millionen Tonnen des weltweiten Fischfangs sind 79,3 Millionen Tonnen marinen Ursprungs, 11,6 Millionen Tonnen kommen aus Binnengewässern. An der Spitze der marinen Fischfangnationen liegt China mit 15,2 Millionen Tonnen, gefolgt von Indonesien mit 6,1 Millionen Tonnen und den USA mit 4,9 Millionen Tonnen. Um der steigenden Nachfrage gerecht werden zu können, wird immer mehr auf Aquakultur gesetzt: 2016 kamen 47 Prozent der gesamten Fischproduktion aus der Aquakultur.

Während Mitte der 1970er Jahre noch rund 90 Prozent der weltweiten marinen Fischbestände von der FAO als "biologisch nachhaltig" eingestuft wurden, trifft dies nunmehr nur noch auf rund zwei Drittel zu - ein Drittel der Bestände gilt heute als überfischt. Die davon am stärksten betroffenen Regionen sind laut SOFIA-Report der FAO das Mittelmeer, das Schwarze Meer, der Südostpazifik sowie der Südwestatlantik.