Es ist dunkel und feucht hier drin. Gewiss kein "Schöner Wohnen"-Ambiente, aber ein strategisch günstiger Aufenthaltsort für unsere eiszeitlichen Vorfahren. Über 100.000 Jahre lang war die Vogelherdhöhle auf der Schwäbischen Alb immer wieder besiedelt. Sie liegt auf einem Felssporn, 20 Meter oberhalb des Flusses Lone mit Blick über den Talverlauf. Ringsum dehnte sich Grassteppe aus. Bereits von Weitem konnten die Urzeitmenschen Gefahr erkennen und Tiere wie Mammuts, Steppenwiesel und Wollnashorn sichten. Im Frühjahr führte die Lone das Schmelzwasser der Gletscher talab. Heutzutage liegt die süddeutsche Region abgeschieden strategischer Siedlungsknoten. Erst das im Jahr 2017 erteilte Prädikat Unesco-Welterbe für die sechs Albhöhlen im Ach- und Lonetal rückt diese wieder in den Blick der Weltöffentlichkeit.

Von wegen primitiv

Besucherströme sieht man hier aber keine – auf dem Parkplatz stehen gerade einmal ein paar Autos. Eine Hinweistafel mit Karte macht auf verschiedene Höhlen- und Biketouren aufmerksam. Von dort führt ein stiller Weg am Wald entlang, hin zum Archäopark Vogelherd, der 2013 eröffnet wurde. Ein grünes Panorama tut sich auf, hügelige Wiesen und Wald, eingebettet in Ruhe. Die Ortschaften liegen versprengt. Niederstotzingen, so heißt das knapp 5000-Seelen-Städtchen im baden-württembergischen Landkreis Heidenheim, das den Archäopark 2013 ins Leben rief und seither trägt.

Die Aufgabe fiel ihm durch einen Sensationsfund zu: ein kleines Mammut, rund zehn Gramm schwer, fein geschnitzt aus Mammut-Elfenbein und vollständig erhalten. Es stammt aus der hiesigen Vogelherdhöhle, ist um die 40.000 Jahre alt und zählt zur Kulturstufe des Aurignacien. Das Mammut markiert die Anfänge der figürlichen Kunst weltweit. In der "Schatzkammer" steht das Original im gläsernen Kasten, daneben ein Löwenrelief. Funde und Fundort stehen beisammen, dies ist eine weitere Besonderheit. Zwei Info-Rotunden im Besucherzentrum erläutern archäologische Fakten. Es ist ein schickes, halbrundes Gebäude und – wie eine Höhle – dezent unter einem Grashügel versteckt, mit verglastem Ausblick auf den Vogelherd.

Das Außengelände lockt. An der ersten Erlebnisstation darf man in Fellbekleidung des Eiszeitmenschen schlüpfen: Die war zwingend bei einer mittleren Jahrestemperatur von fünf Grad plus, aber am Tag unseres Besuchs ist es dafür zu heiß. Der Rundgang führt weiter zu einer Jagdstation, wo eine Besuchergruppe das Speerwerfen auf Wollnashorn-Attrappen probiert. Nur die Männer trauen sich vor, wie in der Eiszeit.