Angefragt wurde auch bei den Wiener Linien, die sich ja in den letzten Monaten bezüglich Essensverbot in den U-Bahnen als strenge Hüter der Ordnung hervortaten. Die Pressesprecherin Kathrin Liener zu diesem Thema: "Das Personal der Wiener Linien hat keine Direktiven bezüglich Dresscode. Auch wenn Männer oben ohne, Frauen im Bikini-Oberteil einsteigen, haben sie nicht den Auftrag, diese Personen auf die unpassende Kleidung anzusprechen." Wenigstens ein klares Statement.

Rund um die Uhr steht ein Polizeiwagen an der Ecke Oper/Hotel Sacher. Was tun die Beamten, wenn Personen wie oben geschildert vorbeimarschieren? Von der Pressestelle der Landespolizeidirektion kam folgende Antwort: "Es gibt keine Vorschrift, die "stadtgemäße" Kleidung o.Ä. vorschreibt." Danach folgt im guten Beamtendeutsch eine Erklärung der Gesetzeslage.

Deutlicher schon äußerte sich Irmgard Poschacher, Pressesprecherin der Bundesgärten: "Die Österreichischen Bundesgärten verstehen sich als lebendiges Museum, in dem auch adäquate Kleidung wünschenswert ist. ‚Oben ohne‘ wird daher nicht gerne gesehen, es gibt allerdings keine ‚Ermahnung‘ für die Parkbesucherinnen." Immerhin hört man deutlich ein Bedauern heraus, dass es keine Handhabe gegen die ästhetische Verunglimpfung in den so liebevoll gepflegten Bundesgärten gibt.

Um aus den heiligen Hallen der Oper ein Statement zu bekommen, bedurfte es einiger Geduld. Zunächst erfolgte der Hinweis auf die allgemeinen Bestimmungen der Hausordnung, die besagt, dass "Besucher dem Anlass entsprechend gekleidet sein sollen". Wie ist man dem Anlass entsprechend gekleidet und wer entscheidet, was richtig oder falsches Outfit ist? Eigentlich ist das die Pflicht der Billeteure. Ein diesbezügliches Interview war nicht möglich, da laut Auskunft der Pressestelle dieses Personal nicht der Oper unterstellt ist. Auf die Nachfrage nach dem Namen der Firma kam keine Antwort.

Fazit aus diesen Umfragen bei den öffentlichen Stellen: Mit diesem heiklen Thema will sich niemand beschäftigen.

Nicht alle leiden geduldig

Große Spiegel, edle Materialien und ein intimer Wohnzimmerrahmen verlangen dementsprechende Kleidung. Deshalb hat Marianne Kohn, Pächterin der Loosbar, an der Eingangstür ein Schild angebracht: No Short Pants, No Flip Flops. Und schon springt sie während des Interviews auf und komplimentiert drei junge Männer in genau diesem Outfit aus der Bar. "Ich bin ja kein Lokal in Favoriten", kommentiert sie die Aktion. "Als Kind schon war diese Bar für mich der schönste Ort in Wien. Die Leute sollen gefälligst ordentlich gekleidet in meine Bar kommen. Es ist wirklich ein Skandal, wie respektlos manche angezogen sind. Früher hat man sich sogar fürs Kino schön angezogen", ereifert sich die resolute Dame.