Ja, sicher sind da auch philosophische Abhandlungen drin, und die Antwort auf die Frage, ob die wirklich alle ganz so tiefschürfend sind, wie der Autor meint, kann man ruhig für kühlere Tage parken. Doch die Geschichte von der Notlandung in der Sahara und dem Fußmarsch durch die Wüste – das ist unbedingt spannend. Zumal der Erzähler kein Trinkwasser hat, und wenn man selbst nicht nur eine Zitronenlimonade und ein Eis holen kann, sondern auch noch in die Donau oder den Pool hüpfen kann, hat dieses Buch als Sommerlektüre durchaus Charme.

Noch einmal Wüste – das muss jetzt sein, weil die Geschichte fast von Saint-Exupéry sein könnte, wenn er sich mit Franz Kafka auf eine Gemeinschaftsarbeit eingelassen hätte, und die Sache ist so brillant und genial, dass man gerade einmal zu lesen aufhören kann, um sich ein Eis zu holen. In Dino Buzzatis Roman "Die Tatarenwüste" ist der Protagonist, der Offizier Giovanni Drogo, einer von den Soldaten, die in einem Fort auf den angeblich bevorstehenden Angriff der Tataren warten. Fragt sich, ob die Bedrohung echt oder nur eingebildet ist – und dann. . . Nein, das muss man selbst lesen! Auch Buzzati schafft es, komplexe Themen in glänzend lesbarer Sprache und spannend abzuhandeln. Nur könnte der Leser über Gebühr ins Schwitzen kommen – nämlich beim allzu hastigen Umblättern!

Auf in den Vulkan!

In einen Vulkan hineinzuklettern, ist eine echt blöde Idee, und das Ergebnis muss naturgemäß dermaßen schweißtreibend sein, dass man ganz bestimmt einen kühlen Lufthauch spürt, wenn man mit Jules Vernes "Reise zum Mittelpunkt der Erde" in der Hand im Liegestuhl. Das Buch ist wie viel Mal verfilmt worden? – Fünf Mal? Sicher öfter. Aber keiner dieser Filme erreicht den Charme des Romans. Weil Jules Verne seine Geschichte so bizarr übersteigert, dass sie schon wieder komisch ist. Unfreiwilliger Humor? – Mag sein. Oder doch eine verschmitzte Parodie auf Reiseerzählungen und Entdeckergeschichten?

Etwa, wenn die Reisenden ein Rinnsal nach dem Vornamen ihres Führers "Hansbach" nennen – wobei Hans Bjelke im Hauptberuf nicht etwa Pfadfinder durchs Erdinnere ist, sondern Eiderentenjäger… (Die Papageientaucher können aufatmen!) Ein paar Riesenchampions später beobachten die Reisenden den Kampf zwischen einem Ichthyosaurus und einem Plesiosaurus, und schließlich fahren sie mit einem Floß auf glühender Lava und werden vom Stromboli ausgespuckt. Jede Wette: Das kann nicht einmal Jules Verne, der die Seekuh zum gefährlichsten Tier der Ozeane erklärt hat, ernst gemeint haben! Es ist ein herrliches Lesevergnügen – und zur Lava an einem Eiskaffee nippen, das hat was!

Endstation Hölle